Leserbrief von Dr. Carl Meißner, Querfurt

Ernährungsmedizin
– als Stiefkind in der Medizin

Die Ernährungsmedizin spielt im medizinischen Alltag in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle. Aktuell ist die Ernährungsmedizin als Fach unserer Medizinstudenten oder in der Weiterbildungsordnung der Facharztkandidaten nicht präsent.

Die Patienten in unseren Krankenhäusern lassen sich grob in 2 Gruppen teilen: Die einen sind die Fehl- bzw. Mangelernährten und die anderen sind die Adipositaspatienten. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) spricht bereits von einer „Adipositasepedemie“. In Deutschland durchgeführte Studien ergaben, dass ca. 20 % der stationär aufgenommen Patienten unterernährt sind. Dieses Problem gilt es essentiell zu erfassen und eine entsprechende ernährungsmedizinische Behandlung zu ordinieren. Professor Löser sprach von der „Ernährung als Herausforderung und Geißel des 21. Jahrhunderts“. Der Gedanke um ernährungsmedizinische Mitbehandlung des Patienten rückt immer dringender in den Focus. Leider wird das noch nicht in allen Kliniken erkannt und umgesetzt. Die Ernährung ist keine Paramedizin sondern ein eigenständiges Fachgebiet. Es ist notwendig diese im Curriculum der Weiterbildung zu implementieren, um dieses Thema der neuen Generation bewusst zu machen und diese für die Umsetzung der Inhalte der Ernährungsmedizin zu sensibilisieren.
Das, was wir mit der Ernährungsmedizin erreichen, bewirkt kein einziges Medikament.
Nach unserem aktuellen Stand wissen wir, dass 70 - 75 % der Erkrankungen primär durch ernährungs- und lebenstilinduzierte Probleme verursacht werden.

Es gilt für die Zukunft, sich neu zu orientieren, nicht die Eisbergspitze zu behandeln, sondern die auftretenden medizinischen Probleme als Einheit zu sehen und die Therapie von der Basis an, mit dem ernährungsmedizinischen Faktor, zu beginnen.


Dr. med. Carl Meißner
Carl-von-Basedow Klinikum Saalekreis GmbH
06268 Querfurt