Heinz Neef: Universitäre Herz- und Thoraxchirurgie in Halle – Pionierzeit und Wandel
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Heinz Neef

Mironde-Verlag, 2020 , 193 Seiten, ISBN 978-3-96063-33-3

Der Verfasser (geb. 1933) – letzter Professor und Leiter der Sektion Thoraxchirurgie an der Universitätsklinik Halle bis 1998 – fasst in dieser gut ausgestatteten und reich bebilderten großformatigen Publikation die Erlebnisse und Erfahrungen seines jahrzehntelangen (1958–1998) Chirurgenlebens zusammen und schreibt im Vorwort: „Diese Rückschau geschieht nicht nur zum Zweck, den allgemeinen medizinischen Fortschritt und den eigenen Fortschritt zu messen, sondern auch einfach aus dem Bedürfnis heraus, Pionierarbeit unserer Generation ins Gedächtnis zu rufen und zu bewahren“. Im 1. Hauptteil werden u. a. die Erinnerungen an die alte Chirurgische Universitätsklinik und das Klinikum Kröllwitz, universitäre Thoraxchirurgie in Halle (seit 1951), Entwicklung der Pulmologie und Thoraxchirurgie in Halle, das Wirken von Professor K.-L. Schober, die Funktionsdiagnostik der Speiseröhre, die wissenschaftlichen Arbeiten aus der halleschen Thoraxchirurgie, Hallesche Thoraxkolloquien, die Zusammenarbeit mit den chirurgischen Universitätskliniken in Szeged, Olomouc, Wroclaw und Poznan, die Trilateralen Symposien 1979–2006 dargestellt.

In der Periode nach der politischen Wende werden die weitere Entwicklung und der Stand der Thoraxchirurgie in den neuen Bundesländern, die Umstrukturierung der Chirurgischen Universitätsklinik Halle (Saale), die Beteiligung an großen Forschungsprojekten nach 1990 und abschließend die Hallesche Thoraxchirurgie bis zum Jahr 2020 und Gedanken für die Zukunft aufgeführt.

Im 2. Hauptteil Herzchirurgie wird die Pionierzeit und das Hallesche Herz-Team vorgestellt, gefolgt von den Halleschen Herzsymposien 1964–1982, das Verhältnis der Thorax- zur Herzchirurgie aus Hallescher Sicht und die Hallesche Schule der Thorax- und Herzchirurgie 1950–1998. Die Ausführungen haben in der Detailtreue einen ungemein dokumentarischen Wert. Darüber hinaus spart der Autor nicht mit kritischen Bemerkungen, insbesondere zu den Entwicklungen der letzten 30 Jahre. Dazu nachfolgend einige Zitate:


„Bei den Umstrukturierungen seit 1990 … auf höhere Anweisung wurde jedoch unser Rat und unser Antrag nicht gehört, vielmehr die Thoraxchirurgie 1994 einer neugeschaffenen Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie nach westdeutschem Muster zugeordnet. Es war der Anfang vom Ende!“ (S. 43)

„Erneut rückte nämlich die Thoraxchirurgie hinter die Herzchirurgie, und wurde nunmehr durch den neuen herzchirurgisch orientierten Direktor absolutistisch dirigiert. Diese Situation bestand noch bei meinem Ausscheiden vier Jahre später.“

„Nach dem Ende der Selbstständigkeit der Sektion Thoraxchirurgie (1994) und Eingliederung in eine neu geschaffene Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, sowie die Berufung eines Direktors, der in den alten Bundesländern nicht berufen worden war und über keine Erfahrungen verfügte, setzte der Rückgang der universitären Thoraxchirurgie in Halle ein.“ (S. 162)

„Die Erfahrung – auch in Halle nach meinem persönlichen Erleben – lehrt, dass die Thoraxchirurgie sich nicht profilieren und Spitzenleitungen erbringen kann, wenn sie im Schatten der Kardiochirurgie betrieben wird.“ (S.191)

„Und es folgt die Konsequenz des Verfassers: Die anzustrebende Organisationsform ist also ein thoraxchirurgisch-pneumologisches Zentrum an einer Universität, mit selbstständiger Ausstattung und Struktur und Leitung.“ …

„Man bricht nicht ungestraft mit der Tradition. Die Universitätsklinik wird zu den Erfahrungen unserer Lehrer, unserer Generation und der unserer internationalen Diskussionspartner zurückkehren müssen. Eine neue Generation wird sich dieser Aufgabe stellen.“ (S.191)


MR Dr. Dieter Schwartze, Kardiologe i.R.
06193 Petersberg