im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 1-2/2021, S. 32f

Sehr geehrte Frau Dr. Heinemann-Meerz,

der schöne Beitrag „Die Corona-Impfung ist da“ (Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 2021; 32: 32-33) bedarf m. E. aus klinisch-pharmakologischer Sicht einer kleinen Ergänzung. Herr Professor Kaasch schreibt in Bezug auf den Impfstoff BNT162b2 von BioNTech/Pfizer, dass in der Studie eine Altersspanne „zwischen 12 und 91 Jahren untersucht“ wurde. Das klingt im ersten Moment recht gut. Wenn man sich die zulassungsrelevante Publikation (Polack et al.: NEJM December 10, 2020) genauer ansieht, zeigt sich, dass der Altersmedian 52 Jahre betrug und die Auswertung nur zwei Alterskohorten erfasste: 16 bis 55 Jahre und über 55 Jahre. Wenn man dann noch ein wenig recherchiert, resultiert, dass nur 4 % der Studienteilnehmer älter als 75 Jahre waren. Daraus kann man schließen, dass der Anteil der Hochbetagten (über 80 Jahre) nur etwa 1 % betrug – also etwa 370 Probanden aufgeteilt auf Verum oder Placebo.

Auf der Basis dieser geringen Anzahl alter Probanden ist es unmöglich, belastbare Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes BNT162b2 für die Altersgruppe der Hochbetagten zu generieren!!

Um mich abzusichern, hatte ich konkret bei Prof. Cichutek (PEI) am 28.12.2020 und bei Prof. Sahin (BioNTech) am 3.1.2021 per E-Mail um konkrete Altersangaben gebeten, aber keine Antworten erhalten. Das unterstreicht m. E., dass über 80 Jahre alte Menschen praktisch wohl nicht getestet wurden.

Wie auf der Basis dieser fehlenden Daten die STIKO, der Deutsche Ethikrat und die Leopoldina über 80-Jährige mit „sehr hoher Priorität“ einstufen konnten, bleibt mir ein Rätsel. Kann wohl nur politisch motiviert gewesen sein.

Aus der COVE-Studie (Baden et al.: NEJM January 15, 2021) von MODERNA resultiert übrigens, dass der Impfstoff mRNA-1273 bei älteren Probanden (älter als 65 Jahre) weniger wirksam ist als bei jüngeren.

Ich hoffe, dass sich alle Impfärzte darüber im Klaren sind, dass Hochbetagte de facto mehr oder weniger „Versuchskaninchen“ sind und dass sie ihre Impflinge entsprechend aufklären.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. Frank P. Meyer
Wanzleben-Börde