Nolde - AbendmahlStiftung Moritzburg Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

„Abendmahl“ lautet der Titel eines Gemäldes, das im Mittelpunkt einer bemerkenswerten Ausstellung der Galerie Moritzburg in Halle steht und im Jahre 1913 vom Museumsdirektor Max Sauerlandt angekauft wurde. Damals entbrannte ein heftiger öffentlicher Streit um das Gemälde des norddeutschen Malers Emil Nolde. Ein Streit über Sinn und Unsinn derartiger Käufe, zumal das Bild zuvor bereits von der Jury der Berliner Sezession abgelehnt wurde. Im halleschen Stadtrat fand der Ankauf (4500 RM) zunächst keine Zustimmung. Das bewegte Sauerlandt, die Vertrauensfrage zu stellen. Erst das Eingreifen des Oberbürgermeisters Rive und seine nüchterne Abwägung der Gemälde-Kosten gegenüber denjenigen, die durch den Weggang des Museumsdirektors entstehen würden, brachte den Durchbruch. Im Nachhinein erwies sich dieser mutige Schritt Sauerlandts als Glücksfall, der den Ruf des halleschen Museums als Wegbereiter der modernen Kunst begründete.

Schon früher war das Geld knapp und es musste gespart werden. Mögen die heute Verantwortlichen ähnlich klug und vorausschauend handeln!
Nun kehrt dieses Gemälde vorübergehend dorthin zurück, wo es angekauft und 24 Jahre zu sehen war. 1937 wurde es, wie viele andere Bilder, von den Nazis als „entartete Kunst“ gebrandmarkt und beschlagnahmt. Nolde ließ es 1939 über seinen Schwager für 1000 Dollar zurückkaufen und schenkte es 1956 dem Statens Museum for Kunst in Kopenhagen. Nur dieser Vorgeschichte ist es zu verdanken, dass das kostbare und wohlbehütete Kunstwerk überhaupt ausgeliehen wurde, nach Halle, wo es vor 100 Jahren in das Licht der Öffentlichkeit trat.

Für den damaligen Geschmack musste das Bild wohl tatsächlich ungewöhnlich sein: kräftige Farben, teilweise mit schwarzen Konturlinien abgegrenzt, entwickeln eine Leuchtkraft, die an alte Kirchenfenster erinnert. Hinzu kommt die Sparsamkeit der Details und die gedrängte Komposition. Alle Figuren sind auf engstem Raum konzentriert. Herkömmliche Abendmahlgemälde zeigen ein extremes Querformat, mit dem Zweck, alle 12 Jünger unterzubringen. Bei Nolde sind Komposition und Farbe ganz auf das Zentrum – Christus mit dem Kelch – angelegt. Großartig, wie die Christusfigur da in der Mitte des Bildes aufleuchtet! „Farben heiß und heilig“ lautet der Untertitel, den die Ausstellungsmacher ausgesucht haben. Nolde - Palmen am MeerBei der Betrachtung des „Abendmahls“ wird bewusst, was damit gemeint ist. So ein „Abendmahl“ ist niemals zuvor gemalt worden!
Diese lodernde Farbigkeit, der auch die Form untergeordnet ist, wird zu dieser Zeit typisch für Nolde. Bevorzugt bediente er sich des Dreiklangs von gelb, orange und zinnoberrot und nutzte den heftigen Kontrast der Komplementärfarben, sehr schön zu sehen auch in „Palmen am Meer“ von 1914 und „Blumengarten mit Figuren“ von 1908.
Geboren wurde Emil Nolde 1867 als Emil Hansen im Dorf Nolde in Nordschleswig. Er wuchs auf dem Bauernhof seiner Eltern auf und machte eine Lehre in einer Flensburger Schnitzerei. Später besuchte er Abendkurse und private Malschulen. 1902 heiratete Emil Hansen die Dänin Ada Vilstrup und änderte seinen Familiennamen in den seines Heimatdorfes Nolde. Seit 1903 hielt er sich längere Zeit des Jahres immer wieder in einem kleinen weltfernen Fischerdorf auf der Insel Alsen auf. Diese Jahre waren von bitterer Armut geprägt. 1906 lernte Nolde in Dresden die Brücke-Künstler kennen, die von ihm begeistert waren. Er nahm gerne ihr Beitrittsangebot an. Obwohl beide Seiten künstlerisch voneinander profitierten – Nolde entdeckte z.B. hier seine Liebe zum Holzschnitt – trennte sich der deutlich ältere Maler ein reichliches Jahr später wieder von der „Brücke“.

1913-14 hatte Nolde Gelegenheit, als ethnografischer Zeichner an einer Expedition zu den deutschen Pazifik- Inseln teilzunehmen. Viele seiner Kunstwerke sind unter diesem Einfluss entstanden.

Nolde - Blumengarten mit FigurenDas Dritte Reich begrüßte Nolde zunächst in seiner politischen Naivität. Bald wurde er aber als Kulturbolschewist beschimpft und mit Mal- und Ausstellungsverbot belegt sowie ein großer Teil seiner Werke (1052 Arbeiten) konfisziert. In dieser Zeit entstanden die sogenannten „Ungemalten Bilder“. Es waren kleine Aquarelle, die Nolde trotz des Malverbotes schuf. Aquarelle deshalb, weil er fürchtete, der langanhaltende Ölfarbengeruch im Hause könnte ihn bei möglichen Durchsuchungen verraten.

Nach dem Krieg wurden Nolde mehrere Ehrungen zuteil, seine wahre Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts erkannte man jedoch erst nach seinem Tod (1956).

Ausstellung bis 28. Juli 2013,
geöffnet täglich, außer Montag
www.kunstmuseum-moritzburg.de

Dr. Wolfgang Lässig
Krankenhaus St. Elisabeth und
St. Barbara Halle