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Fortschritt in der Transplantationschirurgie

Maschinelle Perfusion zur Stabilisierung und Optimierung der Organfunktion von Spenderlebern

Maschinelle Perfusion zur Stabilisierung und Optimierung der Organfunktion von Spenderlebern

Abb. 1: Medizin-Gerät zur maschinellen Organperfusion (XVIVO, Gothenburg, Schweden)

M. Franz, A. Bollensdorf, F. Meyer, J. Arend, R. S. Croner Aus der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg A. ö. R.

Anfang September 2023 erfolgte in der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg A. ö. R. erstmalig die maschinelle Perfusion einer Spenderleber im Rahmen einer Lebertransplantation.

Nach Gründung des Verbundes Lebertransplantation Mitteldeutschland im Dezember 2021 als Zusammenschluss der Standorte Magdeburg, der Universitätsklinik Halle, dem Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel, dem Städtischen Klinikum Dessau und dem Evangelischen Krankenhaus Paul-Gerhardt-Stift Wittenberg mit dem Ziel der engen Kooperation zur Nutzung gemeinsamer Ressourcen wird nun am Universitätsklinikum Magdeburg A. ö. R. ein weiteres wichtiges Kapitel aufgeschlagen.

Die maschinelle Perfusion ist mittlerweile an der Mehrzahl der deutschen Lebertransplantationszentren etabliert, womit ausreichend klinische Anwendererfahrung auch unter klinischen Routinebedingungen bestehen dürfte (s. a. u. 3 Referenzen in „Weiterführende Literatur“). In den 1960er Jahren erstmalig klinisch von T. Starzl durchgeführt, ist die Lebertransplantation die einzige kurative Therapieoption für Patienten mit einer Vielzahl terminaler Lebererkrankungen wie der alkoholischen Leberzirrhose, der nicht-alkoholischen Leberzirrhose, metabolischen Lebererkrankungen aber auch von Lebertumoren. Am Universitätsklinikum Magdeburg A. ö. R. werden seit über 25 Jahren Lebern erfolgreich transplantiert. Aufgrund eines gravierenden und persistierenden Spenderorganmangels ist diese Therapieoption jedoch limitiert. Dies führt zur notwendigen Erweiterung des Spenderpools und Annahme von Organen mit erweiterten Spenderkriterien wie beispielsweise hohes Spenderalter, hoher Spender-BMI („body mass index“) oder auch Steatose des Spenderorganes. Mit der Intention, die Organkonservierung zu optimieren und so die höchstmögliche Sicherheit für die Organempfänger zu erzielen, ist 2022 in Deutschland die Maschinenperfusion für die Lebertransplantationen zugelassen worden.

Somit erfolgte auch in Magdeburg die Einführung der Maschinenperfusion, um die Lebertransplantation als kurative Therapieoption mit höchstmöglicher Empfängersicherheit in Sachsen-Anhalt zu gewährleisten.

Abb. 2: „back-table“-Situation nach Kanülierung und Beginn der Maschinenperfusion

Die maschinelle Organperfusion ermöglicht die Stabilisierung und Optimierung der Leberfunktion der Spenderorgane und dabei vor allem die

  • dynamische Rekonditionierung durch Wiederherstellung des physiologischen Flusses innerhalb des Spenderorgans,
  • Verbesserung der Organfunktion,
  • Minimierung von Ischämie- und Reperfusionsschäden,
  • ex-vivo-Evaluation unter perfekt standardisierten Bedingungen.

Auch eine Optimierung der logistischen Abläufe wird durch die Maschinenperfusion ermöglicht. Insgesamt wird hierdurch also ein entscheidender und wirksamer Beitrag zum Umgang mit dem chronischen Spenderorganmangel und zur Optimierung des Spenderpools auch am hiesigen Lebertransplantationszentrum geleistet.

Methodisch wird nach einer „back-table“-Präparation des Spenderorgans im Empfängerzentrum eine Kanülierung der Pfortader und der Aorta bzw. der Leberarterie vorgenommen. Hierüber wird mit einer
mit Sauerstoff angereicherten Perfusionslösung mit einer definierten Temperatur (normotherm: 37 °C oder hypotherm: 11 °C) sowie definierten Druck- und Flusseinstellungen das Transplantat in einer sterilen Umgebung maschinell perfundiert.

Bei der normothermen Maschinenperfusion (NMP) ist eine Viabilitätstestung des Spenderorgans unter nahezu physiologischen Bedingungen möglich. Verschiedene Parameter der Perfusionslösung und der produzierten Galle können unproblematisch kontrolliert werden und geben Aufschluss über die Organqualität und Transplantatfunktion.

Das signifikant bessere Transplantatüberleben konnte in mehreren multizentrischen Studien zur Maschinenperfusion belegt werden [1,2,3]. Aktuell werden zahlreiche weitere klinische und experimentelle Studien initiiert.

Die vorgestellte Methode stellt somit einen der entscheidenden Fortschritte in der Transplantationschirurgie der letzten Jahrzehnte dar.

Die vorgenommene Lebertransplantation unter Einführung des Verfahrens zeigte ein erfolgreiches klinisches „Outcome“ hinsichtlich der Patientengenesung, basierend auf einer guten Organfunktion sowie einer stabil eingestellten und wirksamen immunsuppressiven Medikation.

Mittlerweile sind 8 Patienten unter erfolgreicher Anwendung des beschriebenen Verfahrens lebertransplantiert worden, die eine sichere Etablierung des Verfahrens in den hiesigen Transplantationsalltag anzeigen.


Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. F. Meyer
Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie
Universitätsklinikum Magdeburg A. ö. R.
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Tel.: 0391/67 15500
Fax: 0391/67 15570
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Fotos: Bilderfundus der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie

Literatur

  1. van Rijn R, Schurink IJ, de Vries Y, van den Berg AP, Cortes Cerisuelo M, Darwish Murad S, Erdmann JI, Gilbo N, de Haas RJ, Heaton N, van Hoek B, Huurman VAL, Jochmans I, van Leeuwen OB, de Meijer VE, Monbaliu D, Polak WG, Slangen JJG, Troisi RI, Vanlander A, de Jonge J, Porte RJ; DHOPE-DCD Trial Investigators. Hypothermic Machine Perfusion in Liver Transplantation - A Randomized Trial. N Engl J Med 2021;384(15):1391-401
  2. Czigany Z, Pratschke J, Froněk J, Guba M, Schöning W, Raptis DA, Andrassy J, Kramer M, Strnad P, Tolba RH, Liu W, Keller T, Miller H, Pavicevic S, Uluk D, Kocik M, Lurje I, Trautwein C, Mehrabi A, Popescu I, Vondran FWR, Ju C, Tacke F, Neumann UP, Lurje G. Hypothermic Oxygenated Machine Perfusion Reduces Early Allograft Injury and Improves Post-transplant Outcomes in Extended Criteria Donation Liver Transplantation From Donation After Brain Death: Results From a Multicenter Randomized Controlled Trial (HOPE ECD-DBD). Ann Surg 2021;274(5):705-12
  3. Oldhafer F, Beetz O, Cammann S, Richter N, Klempnauer J, Vondran FWR. [Machine Perfusion for Liver Transplantation - What is Possible and Where Do We Stand in Germany? Review of the Literature and Results of a National Survey]. Zentralbl Chir 2021;146(4):382-91