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Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin 2023 in Halle (Saale)

Ethische Kompetenzen im Gesundheitswesen

Ethische Kompetenzen im Gesundheitswesen

Dr. Götz Fabry referierte in einer Plenarveranstaltung zum kompetenzorientierten Lehren mit Fokus auf
medizin- und ethikdidaktische Perspektiven.
Fotos: Theresa Schneider

Früh zeichnete sich ab, dass das Thema „Ethische Kompetenzen im Gesundheitswesen“ der diesjährigen Jahrestagung der Akademie für Ethik in Medizin (AEM) von großem Interesse für ein breites Tagungspublikum war. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedensten Disziplinen und Professionen des Gesundheitswesens versammelten sich vom 28. – 30. September 2023 in Halle an der Saale. Organisiert wurde die Veranstaltung durch das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Direktor Prof. Dr. Jan Schildmann) in Kooperation mit dem Interdisziplinären Wissenschaftlichen Zentrum Medizin-Ethik-Recht (Direktor Prof. Dr. Henning Rosenau).

Internationale Eröffnungsveranstaltung und kritische Reflexion der Arbeit von Ethikräten

Nach einem produktiven Vormittag im Rahmen verschiedener Präkonferenz-Workshops sowie Grußworten von Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker und Prodekan Prof. Dr. Dirk Vordermark referierten am Donnerstag, den 28. September zur Eröffnungsveranstaltung Prof. Dr. Mark Sheehan von der University of Oxford und Prof. Dr. Guy Widdershoven von der Vrieje Universiteit Amsterdam. Im Mittelpunkt standen hier die philosophischen Grundlagen ethischer Kompetenz und die Abgrenzung von ethischen Kenntnissen einerseits und der Fähigkeit in der klinischen Praxis ein moralisch korrektes Urteil zu treffen andererseits.

Die nachfolgende Abendveranstaltung begann traditionell mit der Verleihung des AEM-Nachwuchspreises. In diesem Jahr konnten sich gleich zwei Wissenschaftlerinnen über die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung freuen: Dr. Katharina Fürholzer (Universität Rostock) mit ihrer Forschungsarbeit über „Postmortale Menschenwürde zwischen Pietät und Professionalität. Plädoyer für eine Schweigeminute im klinischen Alltag“ und Dr. Corinna Klingler (Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg/Potsdam) mit dem Thema „Five coffin nails to informed consent. An autoethnography of battling complications in breastfeeding“.

Den Abschluss des ersten Tages bildete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ethikgremien und ihr Beitrag zur Politikberatung. Interdisziplinäre Perspektiven“. Ausgehend von Kurzstatements erörterten Prof. Dr. Georg Marckmann (Ludwig-Maximilians-Universität München), Prof. Dr. Dr. Volker Lipp (Georg-August-Universität Göttingen), Prof. Dr. Gabriele Meyer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) sowie Dr. Frank Niggemeier (Bundesministerium für Gesundheit Berlin) differenziert und pointiert Potential und methodische Herausforderungen bei der Erstellung von Ethik-Stellungnahmen.

Ethische Kompetenzen in der Ausbildung und in klinischen Ethikkomitees

Den Auftakt des zweiten Tages machten am Freitag, den 29. September Dr. Julia Dietrich (FU Berlin) und Dr. Götz Fabry (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) zum Thema „Kompetenzorientiert Lehren. Medizin- und Ethikdidaktische Perspektiven“. Beide machten deutlich, dass auf dem Weg zu einer kompetenzorientierten Lehre für Studierende der Medizin und anderer Fächer noch erhebliche konzeptionelle und praktische Fragen zu bearbeiten sind. Dies gilt nicht zuletzt mit Blick auf die geplante Änderung der Ärztlichen Approbationsordnung und dem dort vorgesehenen verbindlichen Kerncurriculum im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM).

Den inhaltlichen Abschluss der Tagung bildete am Samstag, den 30. September, eine Plenarveranstaltung zur Fragestellung „Welche (ethischen) Kompetenzen benötigen wir für die Ethikfallberatung? Diskussionsbeiträge aus ärztlicher, ethischer und pflegerischer Perspektive“ mit Impulsen von Gesundheits- und Medizinrechtlerin Prof. Dr. Tanja Henking (Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt), Medizinethiker Dr. Gerald Neitzke (Universität Hannover), Psychiater Prof. Dr. Thomas Pollmächer (Klinikum Ingolstadt) sowie Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Annette Riedel (Hochschule Esslingen).

Moderiert von Prof. Dr. Michael Bucher, Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees des Universitätsklinikums Halle (UKH), lag der Fokus dabei auf den konkreten Herausforderungen, die sich bei Ethikberatungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens ergeben. Für das Klinische Ethikkomitee des UKH stellte die Veranstaltung damit einen gelungenen Ersatz für den seit 2019 etablierten Ethiktag dar, der dieses Jahr zugunsten der AEM-Jahrestagung in dieser Veranstaltung aufging.

Auszeichnung für beste Beiträge und Ausblick auf internationale EACME-Tagung in Halle (Saale) 2024

Den Abschluss der Tagung bildete auch in diesem Jahr die Würdigung der besten Beiträge. Den Nachwuchspreis für den besten Vortrag der Tagung erhielt Dr. Anna Hirsch (Ludwig-Maximilians-Universität München) mit ihrem Beitrag zum Thema „Philosophisch-konzeptionelle Kompetenzen und ihr Beitrag zur Medizinethik – Beispiele anhand des Konflikts zwischen Autonomie und Wohlergehen“. Der diesjährige Posterpreis ging an Kim Meilin Kulaczewski und Prof. Dr. Mark Schweda (beide Universität Oldenburg), die sich in ihrer Arbeit der Exploration des Themas „Begrenzung des Lebens- und Bewegungsradius in der stationären Versorgung von Menschen mit Demenz“ widmeten. Die AEM-Jahrestagung 2024 wird unter Leitung von Prof. Dr. Urban Wiesing in Tübingen ausgerichtet. Aber auch Halle (Saale) wird 2024 wieder Tagungsgastgeberin sein dürfen: Vom 12. – 14. September 2024 wird hier die Tagung der European Association of Centres of Medical Ethics (EACME) zum Thema „Translating ethics into healthcare prac-tice and research. Potentials and risks“ stattfinden.

Im Rahmen der öffentlichen Abendveranstaltung am 28. September 2023 zum Thema „Ethikgremien und ihr Beitrag zur Politikberatung. Interdisziplinäre Perspektiven“ diskutierten Prof. Dr. Gabriele Meyer, Dr. Frank Niggemeier, Prof. Dr. Jan Schildmann, Prof. Dr. Henning Rosenau, Prof. Dr. Georg Marckmann und Prof. Dr. Dr. Volker Lipp (v. l.) in der Aula des Löwengebäudes.

Autorinnen: K. S. Sophie Gothan & Theresa Schneider

Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Jan Schildmann, M.A.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Magdeburger Straße 8, 06112 Halle (Saale)
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