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Kunstschau in Magdeburg

Arztkittel und Pinselstrich

Arztkittel und Pinselstrich

„Der Schatten“, Dr. med. habil. Wolfram Knöfler, Kieferchirurg und Zahnarzt bis 12/2022, Jhg. 1951

Denkt man an die Verbindung zwischen Medizin und Kunst ist man schnell bei „Die Anatomie des Dr. Tulp“. Das Auftragswerk der Amsterdamer Chirurgengilde wurde vom damals erst 25-jährigen Rembrandt van Rjin (1606–1669) gemalt und 1632 fertiggestellt. Heute hängt es in Den Haag. Gustav Klimt (1862-1918) schuf 1901 sein Werk „Die Medizin“ während Damian Hirst (Jahrgang 1965) sich im Jahr 2008 mit seiner Skulptur „The Anatomy of an Angel“ aus einem ganz anderen Blickwinkel dem Thema näherte.

Um all diese Werke geht in der Ausstellung „Mediziner & Malerei“ nicht. Diese einzigartige Schau, die vom 1. Juni bis 25. Juli im MDR-Landesfunkhaus in Magdeburg zu sehen ist, präsentiert den künstlerischen Blick von insgesamt 33 Ärztinnen und Ärzten auf die Welt.

Und der ist ganz unterschiedlich: Mal erinnert ein Gemälde an den großen Meister Salvador Dali (1904-1989), ein anderes Werk befasst sich mit der künstlerischen Fotografie, wieder ein anderes offenbart ein Kaleidoskop aus Gegenständen und Teilen, die zusammengesetzt ein harmonisches stimmiges Bild erzeugen. Daneben laden Holzskulpturen auch zum Bewundern, Schmunzeln oder Staunen ein. Alle diese Werke stammen eben von Vertreterinnen und Vertretern der Ärzteschaft, die in ihrer Freizeit, manche auch bereits im Ruhestand, die Kunst, den Prozess des Schaffens für sich entdeckt haben. Womöglich als Ausgleich zum stressigen Job, als zweite Leidenschaft neben der Medizin oder als Ventil, Gefühle und Gedanken zu verarbeiten.

Eine von ihnen ist Marianne Rademacher. Die Zahnärztin aus Flechtingen hat die Schau hauptverantwortlich organisiert und auch kuratiert. Und malt selbst auch leidenschaftlich gern: „Von Kindheit an und besonders gern, seit der Zeichenlehrer meine Bilder als gelungene Beispiele in der Schule an die Wand hing “, sagt sie und lacht, als wir sie am Telefon erreichen. Doch wie das so ist, mit manchen Leidenschaften – das Leben passiert. Erst das Studium, dann Hochzeit, Kinder, eigene Praxis: Und die Malerei musste zurücktreten. Erst mit der Wende und als die Kinder „aus dem Gröbsten heraus“ waren, findet die Zahnmedizinerin zurück zur Malerei, auch weil ihr inzwischen verstorbener Mann sie immer wieder dazu ermutigte. „Es ist herrlich,“ sagt Marianne Rademacher, „wenn ich male, versinke ich in dem Prozess, vergesse den Stress. Man nimmt den Pinsel in die Hand, und das Gehirn wird frei.“

„Das Narrenschiff“, Dr. med. habil. Wolfram Knöfler, Kieferchirurg und Zahnarzt bis 12/2022, Jhg. 1951
Marianne Rademacher (Foto: privat)

Wer durch die Ausstellung wandert, wird überrascht von der hohen künstlerischen Qualität der Werke, von der Reife und Ausdruckskraft der Bilder. Manch einer hat wohl auch schon ein Gemälde verkaufen können. „Das steht aber nicht im Vordergrund, wir wollen einfach zeigen, was wir in unserer Freizeit tun“, sagt Marianne Rademacher, die selbst gern Tiere abbildet und am liebsten mit Acryl arbeitet, daneben aber gern auch mal Neues ausprobiert wie etwa verschiedene Spritztechniken.

Wie kam sie denn nun aber dazu, „Mediziner & Malerei“ zu organisieren? „Ich hatte im Ärzteblatt von Dr. Peter Erdmenger gelesen“, erzählt die Dipl.-Stomat.-Medizinerin. Der Allgemeinmediziner aus Köthen und seine Frau, Dr. Brigitte Erdmenger, haben 1988 in der DDR die Ausstellungsreihe ins Leben gerufen. Sie trommelten künstlerisch tätige Kollegen zusammen, um eine Gemeinschaftsschau zu organisieren. Nach der Wiedervereinigung wurde daraus so etwas wie eine feste Größe.

Als Marianne Rademacher davon las, wurde sie neugierig: „Ich bin dann mit einigen meiner Bilder zu ihm nach Köthen gefahren, habe sie ihm gezeigt und mich lange unterhalten.“ Seine Reaktion: „Dann mal ran!“ 2014 war sie erstmals mit ihren Werken bei einer Schau dabei. Später habe Dr. Erdmenger sie gefragt: „Wie wär’s denn mit der Organisation, wir brauchen junges Volk?“ Und fortan war sie dabei – und sie möchte es nicht missen: „Es haben sich lose Freundschaften ergeben, ein Netz aus Gleichgesinnten, man trifft sich, tauscht sich aus, inspiriert sich gegenseitig.“ Die jüngste malende Medizinerin studiert noch, die ältesten sind längst im Ruhestand. Es sind Zahnärzte, Tier- und Humanmediziner, Chirurgen, Kinderärzte, Psychologen, Augenärzte.

Das treibt Marianne Rademacher an, die Vielfalt von Menschen und Kunst, die alle die Leidenschaft für die Medizin und die Malerei vereint. Eine Botschaft hat die engagierte Zahnmedizinerin noch: „Wir freuen uns über jeden Besucher, der in unsere aktuelle Ausstellung in Magdeburg kommt, wir freuen uns aber auch immer über neue engagierte und malende Mediziner.“

Wenn Sie nun Lust bekommen haben, sich selbst einzubringen, hier der Kontakt zu Marianne Rademacher:
Tel.: 039054/13 99 08.

K. Basaran

„Kleine bretonische Festplatte“, Dr. med. Petra Kaltwaßer, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Subspezialisierung auf Kinderwunschbehandlung, Jhg. 1955 (Abb.: Dr. Petra Kaltwaßer/Katalog Ausstellung „Mediziner & Malerei“)