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Der Körper des Kaisers

Aktuelle Untersuchungsergebnisse bestätigen Identität der sterblichen Überreste aus dem Sarkophag Ottos des Großen

Aktuelle Untersuchungsergebnisse bestätigen Identität der sterblichen Überreste aus dem Sarkophag Ottos des Großen

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, erschienen in: Zahnärztliche Nachrichten Sachsen-Anhalt, Ausgabe 01/26, S. 18f

Fotos: LDA Sachsen-Anhalt, A. Hörentrup

Von Januar 2025 bis August 2026 stand das Grabmal Kaiser Ottos des Großen im Magdeburger Dom im Mittelpunkt eines umfangreichen Projektes zur Dokumentation und Konservierung dieses bedeutenden Denkmals. Nachdem der steinerne Sarkophag sowie der darin aufgefundene, ebenfalls stark konservierungsbedürftige Holzsarg im letzten Jahr geöffnet worden waren, wurde der Grabinhalt dokumentiert und zur Sicherung, Erhaltung und Untersuchung entnommen.

Anfang 2026 bildete sich eine multidisziplinäre Forschergruppe, die sich der grundlegenden anthropologischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Untersuchung der sterblichen Überreste aus der Grablege widmet. Im Rahmen eines Pressetermins im Beisein von Ministerpräsident Sven Schulze und Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra auf dem Campus der Universitätsmedizin Magdeburg gaben die beteiligten Spezialistinnen und Spezialisten am 18.03.2026 Einblicke in ihre laufenden Forschungen. Von besonderer Bedeutung sind die Ergebnisse archäogenetischer Analysen an den Gebeinen Ottos des Großen (gestorben 973) sowie Kaiser Heinrichs II. (gestorben 1024) aus dem Bamberger Dom: Sie belegen, dass es sich bei den sterblichen Überresten aus dem Grabmal im Magdeburger Dom mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die Gebeine Kaiser Ottos I. handelt.

Die nördliche Längsseite des Sarkophags, an der die Schädigungen besonders deutlich zu Tage traten, vor der Sanierung. Deutlich sichtbar ist die ausgebrochene, alt mit Mörtel reparierte westliche (rechte) Ecke.

Das Grabmal Ottos I. im Magdeburger Dom – ein gefährdetes Denkmal

Otto I., der durch die Wiederbelebung des römischen Kaisertums den Grundstein für das spätere Heilige Römische Reich legte, ist eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Sein Grabmal im Magdeburger Dom ist daher auch über die Landesgrenzen Sachsen-Anhalts hinaus ein Denkmal von erheblichem kulturhistorischen Wert. Seiner Pflege und Erhaltung kommt aus Sicht der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Eigentümerin des Magdeburger Domes, der Evangelischen Domgemeinde als Nutzerin des Gotteshauses sowie des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt als zuständigem Denkmalfachamt oberste Priorität zu.

Im Rahmen des turnusmäßigen gemeinsamen Monitorings der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt wurden am Grabmal Ottos des Großen im Jahr 2024 besorgniserregende Schäden beobachtet. Beide Institutionen sahen sich daher gezwungen, Maßnahmen zur Konservierung dieses bedeutenden Denkmals in die Wege zu leiten.

Sanierungsmaßnahmen und Untersuchungen im Magdeburger Dom

Im Januar 2025 wurde das Grab Ottos I. im Magdeburger Dom von einer geschlossenen Einhausung aus Holzwerkstoffplatten umgeben, innerhalb derer die diffizilen Arbeiten am Sarkophag unter optimalen Bedingungen durchgeführt werden konnten.

Am Beginn der Maßnahmen standen zunächst die detaillierte zeichnerische, fotografische und 3D-Dokumentation des Monuments sowie der äußerlich sichtbaren Schäden. Daneben wurden verschiedene non-invasive Untersuchungen zur Beurteilung der Stabilität des Sarkophags sowie von dessen Umfeld durchgeführt. Die Untersuchungen bestätigten die akute Gefährdung des Grabmals insbesondere durch im 19. Jahrhundert eingebrachte Eisenteile, die fortschreitender Korrosion ausgesetzt waren. Zudem wurde das Eindringen von Feuchtigkeit und die damit zusammenhängende Salzbelastung als Bedrohung der Integrität des Sarkophags erkannt. Im Zusammenspiel mit den erheblichen klimatischen Schwankungen und den teils extremen Luftfeuchtewerten im Dom verfestigte sich das Gesamtbild einer hochgradigen Gefährdung des Denkmals.

Um dieser Gefährdung entgegenwirken und den Sarkophag sanieren zu können, war es notwendig, die rund 300 Kilogramm schwere Deckplatte des Kastens zu heben, die, wie renommierte Spezialisten auf dem Gebiet der Bestimmung antiken Marmors analysieren konnten, aus Marmor von der Prokonnesos, der heutigen Marmara-Insel (Türkei), besteht (siehe die Presseinformation des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt vom 17. Dezember 2025). Ebenso unumgänglich war es, den darunter angetroffenen schlichten Holzsarg zu entnehmen, der ebenfalls in einem konservatorisch höchst bedenklichen Zustand war. Zuvor wurden der hölzerne Kasten sowie die Situation in seinem Inneren zeichnerisch und fotografisch dokumentiert sowie als hochauflösendes 3D-Modell festgehalten.

Die Bestimmung und naturwissenschaftliche Datierung der Hölzer ergab, dass der Sarg aus Kiefernhölzern aus dem Hohen Mittelalter zusammengesetzt wurde. Das Holz für den Deckel wurde laut dendrologischer Begutachtung im Winter 1208 geschlagen und im unmittelbaren Anschluss verarbeitet. Aller Wahrscheinlichkeit nach steht die Anfertigung des Sargs im Zusammenhang mit der Umbettung der Gebeine Ottos des Großen nach dem Dombrand von 1207 und dem anschließenden Neubau des Doms.

Innerhalb des Holzsarges fanden sich durcheinander liegende textile und pflanzliche Reste, Sediment und Gebeine. Von Mitte Juni 2025 bis Anfang Februar 2026 wurde dieser Befund ausführlich dokumentiert und der Inhalt des Sarges nach und nach entnommen.

Der neu gestaltete Sarg Ottos des Großen im sanierten Sarkophag im Hohen Chor des Magdeburger Doms am 1. September 2026. (Foto: LDA Sachsen-Anhalt, A. Hörentrup)

Der Sarkophag Ottos des Großen im Chorraum des Magdeburger Doms vor der Sanierung.

Eine der Eisenklammern unter der Deckplatte des Steinsarkophags. Deutlich erkennbar sind die vom korrodierenden Eisen ausgehenden Risse in der Seitenwand.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, C. Dähnel/D. Dittrich)

Detail der Sarkophagwand nach Entnahme der Eisenklammer, deren Korrosion die deutlich erkennbaren Risse im Kalkstein verursachte.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, C. Dähnel/D. Dittrich)

Die vom Steinkasten abgenommene, repräsentative Deckplatte des Sarkophags, die von Spezialisten als prokonnesischer Marmor bestimmt wurde. Erkennbar sind die korrodierenden Eisennägel, die der Fixierung der Deckplatte dienten.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, A. Hörentrup)

Die alt ausgebrochene Ecke des Sarkophags nach Abnahme des aus heutiger Sicht nicht zweckdienlichen zementhaltigen Mörtels.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, C. Dähnel/D. Dittrich)

Der Sarkophag nach Abnahme der Marmordeckplatte und mit geschlossenem Holzsarg.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, A. Hörentrup)

Unter den Textilien stechen ein rotes Einschlagtuch aus byzantinischer oder spanischer Seide und eine blau gefärbte Decke mit Silberfäden hervor. Die Fragmente sind teils sehr fragil und stark konservierungsbedürftig. Bemerkenswert sind ferner Funde von Eierschalen und Obstkernen, ein Moritzpfennig aus dem 13. Jahrhundert sowie ein Stück Fensterglas, die mehrfache zeitlich getrennte Manipulationen am Grabmal belegen.

Nach der Entnahme des Inhalts wurde auch der Holzkasten aus dem Sarkophag entfernt. Dies gab ein eingemeißeltes Kreuz sowie ein Ausflussloch auf dem Grund des Steintroges frei und ermöglichte es erstmals, das gesamte Ausmaß der Schäden an den fragilen Sarkophagwänden in Augenschein zu nehmen. Zur Konservierung des Steintroges sowie zur Sicherung des Untergrundes an seinem Standort war es notwendig, den Sarkophag innerhalb des Domes zu versetzen, was im Februar 2026 erfolgte. Während der Sarkophag in einer weiteren Einhausung innerhalb des Domes konserviert wurde, erfolgten im Hohen Chor innerhalb der Einhausung die archäologische Dokumentation sowie die Ertüchti­gung des Standortes des Grabmals, die der Vorbereitung von dessen Neuaufstellung dienten.

Parallel zu den Tätigkeiten im Dom erfolgte die weitere nationale und internationale Vernetzung des Projektteams mit Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Disziplinen, die mit ihrer jeweiligen Expertise, unter anderem zu Textilien, Sedimenten, zoologischen und weiteren organischen Relikten zusammen mit den auf Seiten der Kooperationspartner beteiligten Restauratorinnen und Restauratoren sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dazu beitrugen, die Grablege zu sichern und umfassend zu analysieren. Die Gebeine des Kaisers verblieben dabei weiterhin in Magdeburg und wurden am
1. September 2026 in einem neu gestalteten Sarg wieder im Dom beigesetzt. Für den neuen Sarg wurde im Rahmen eines von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt initiierten Wettbewerbs der Entwurf der Künstlerin Silke Trekel mit dem Titel »Torsion und Konsolidierung« ausgewählt. Ihm gelinge laut Jury eine »überzeugende Synthese aus historischer Symbolik, technischer Innovation und ästhetischer Klarheit«, die Ottos Herrschaft würdig reflektiere.

Der Körper des Kaisers?
Erste Ergebnisse anthropologischer, medizinischer und naturwissen-schaftlicher Untersuchungen

Angesichts der Bedeutung der historischen Persönlichkeit Ottos des Großen für die Stadt Magdeburg und darüber hinaus standen nach der Öffnung des Holzsargs zunächst die Untersuchung des hierin vorgefundenen menschlichen Skeletts sowie die Frage im Vordergrund, ob es sich bei den Gebeinen tatsächlich um die sterblichen Überreste des 973 verstorbenen Kaisers handelt. Die anthropologische Erstuntersuchung erfolgte durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Daneben wurde im Januar dieses Jahres eine Forschergruppe aus renommierten Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern unterschiedlicher naturwissenschaftlicher und medizinischer Disziplinen gebildet, deren Mitglieder sich verschiedener spezifischer Aspekte und Fragestellungen annehmen. Besonderer Dank gilt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg, an dem die Computertomographie-Untersuchungen der Skelettfunde sowie das Auftakttreffen der im Januar 2026 zusammengetretenen Forschergruppe durchgeführt werden konnten.

Die anthropologischen Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die sterblichen Überreste aus dem Sarg Ottos des Großen von einem einzigen, eindeutig männlichen Individuum stammen, dessen Skelett so gut wie vollständig und in einem sehr guten Erhaltungszustand vorliegt. Mit einer Körperhöhe von rund 180 Zentimetern war der Verstorbene etwa 10 Zentimeter größer als der durchschnittliche Zeitgenosse Ottos im 10. Jahrhundert.

Das am Skelett bestimmbare Sterbealter des Individuums von etwa 55 bis 65 Jahren passt gut zur historischen Überlieferung, der zufolge Otto I. im Alter von 60 Jahren das Zeitliche segnete. Stark ausgeprägte Muskelansätze an Oberschenkel- und Beckenknochen belegen, dass der Verstorbene regelmäßig als Reiter im Sattel saß, was ebenfalls mit den vorliegenden biografischen Informationen Ottos des Großen übereinstimmt. Besonders an den Knie- und Hüftgelenken sind arthrosetypische Veränderungen zu erkennen. Auffällig sind daneben Verknöcherungen von Knorpelgewebe, unter anderem an Kehlkopf und Rippen. An der linken Speiche lassen sich Spuren einer verheilten Fraktur erkennen.

Darüber hinaus erwies sich der Blick auf den Schädel als besonders aufschlussreich. Im Bereich des Hinterhaupts und des Gesichtsschädels finden sich Spuren verheilter Gewalteinwirkung. Im Kieferbereich fehlen drei obere Schneidezähne, die bereits zu Lebzeiten verloren gingen, womöglich im Zusammenhang mit den anderen Verletzungen am Schädel. Daneben finden sich ein kariöser Zahn, Parodontitis sowie ausgeprägte Zahnsteinbildung an den unteren Schneidezähnen. An Schädelbasis und den oberen Halswirbeln zeigen sich einseitig vergrößerte Gefäßkanäle.

Direkt nach der Öffnung des Holzsargs erfolgte die Dokumentation der Gebeine und des weiteren Inhalts mittels eines tragbaren 3D-Scanners.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, D. Dittrich)

Blick in den geöffneten Holzsarg mit menschlichen Überresten, Textilien und Sediment.

Foto: LDA Sachsen-Anhalt, A. Hörentrup

Während die Diskussion möglicher Ursachen und Auswirkungen dieser Besonderheit sowie die Untersuchung der weiteren skizzierten Beobachtungen durch die in Magdeburg, Halle (Saale), Hildesheim und Saarbrücken ansässigen Mitglieder der multidisziplinären Forschergruppe gegenwärtig noch nicht abgeschlossen sind, ermöglichen die naturwissenschaftlichen Analysen von Knochenproben aus dem Sarg Ottos I. am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) in Mannheim bereits erste wichtige Aussagen.

Einerseits erbrachte die Radiokohlenstoffdatierung (14C-Methode) Werte, die im erwarteten Altersbereich liegen und somit mit der historischen Einordnung der sterblichen Überreste von Otto dem Großen übereinstimmen. Daneben gaben Isotopenanalysen Auskunft über die Ernährungsgewohnheiten des Verstorbenen. Die Ergebnisse sprechen für den häufigen Verzehr tierischer Proteine und wahrscheinlich auch von Süßwasserfisch. Dazu kamen in Mitteleuropa gängige Nahrungspflanzen, vor allem Getreide sowie Hülsenfrüchte, wobei die bei ärmeren Bevölkerungsschichten verbreitete Hirse offenbar nicht in größerem Maßstab verzehrt wurde. Diese Nahrungsgewohnheiten sind typisch für elitäre Persönlichkeiten des Mittelalters aus dem mitteleuropäischen Raum.

Zusammenfassend stammen die sterblichen Überreste aus der Grablege Ottos des Großen also von einem großgewachsenen Mann, der im Alter von etwa 60 Jahren starb, der mittelalterlichen Elite angehörte, sich häufig reitend fortbewegte und, so deuten es die verschiedenen Verletzungsspuren an, ein bewegtes Leben führte.

Der Körper des Kaisers! Archäogenetische Untersuchungen erbringen bahnbrechende Erkenntnisse

Sprechen bereits die vorstehend angeführten Ergebnisse der anthropologischen, osteologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen für eine Identifikation des Skeletts aus dem Grab Ottos des Großen mit den sterblichen Überresten des Kaisers, so liefern archäogenetische Untersuchungen des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA), Leipzig, ein entscheidendes, ausschlaggebendes Indiz.

Möglich war dies aufgrund der Tatsache, dass dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie nicht nur Proben aus der Bestattung Ottos des Großen vorlagen, sondern auch von sterblichen Überresten, die traditionell einem nahen Verwandten des Kaisers zugeschrieben werden. So befinden sich in der Reliquiensammlung des Bamberger Domes der Schädel sowie die Oberschenkelknochen Heinrichs II. (973 bis 1024), des letzten Ottonenherrschers auf dem ostfränkischen Kaiserthron, der zusammen mit seiner Ehefrau Kunigunde im Bamberger Dom bestattet und als einziger mittelalterlicher Kaiser heiliggesprochen wurde. Mit Zustimmung des Domkapitels sowie des Erzbischofs Herwig Grössl wurden diesen Gebeinen Anfang 2025 kleine Proben zur DNA-Analyse entnommen, deren Ergebnisse ebenfalls vorliegen.

Sie belegen, dass alle drei Heinrich II. zugeschriebenen Knochen der Bamberger Reliquiensammlung von einem einzigen Individuum stammen. Von besonderer, ausschlaggebender Bedeutung ist allerdings die Tatsache, dass dieses Individuum sowie das Individuum aus dem Sarg Ottos des Großen biologisch nahe miteinander verwandt sind. Sie sind durch eine genetische Verwandtschaft dritten Grades miteinander verbunden, wobei die Verwandtschaft über gemeinsame Vollgeschwister verläuft und über eine ununterbrochene männliche Linie zurückzuverfolgen ist, beide Individuen also in männlicher Linie auf einen gemeinsamen Ahnen zurückgehen.

Dies passt schlüssig zur historischen Überlieferung, der zufolge Kaiser Heinrich II. als Enkel von Ottos Bruder Herzog Heinrich von Bayern der Großneffe des in Magdeburg bestatteten Kaisers war.

Damit belegen die archäogenetischen Untersuchungsergebnisse nicht nur die Verwandtschaft der beiden untersuchten Individuen, sondern darüber hinaus auch die Echtheit und Identität der Gebeine Heinrichs II. und Ottos I. So wäre es höchst unwahrscheinlich anzunehmen, dass die sterblichen Überreste der Kaiser sowohl in Magdeburg als auch Bamberg ausgetauscht wurden und dabei die Gebeine zweier anderer, über die väterliche Linie im dritten Grad miteinander verwandte mittelalterliche Individuen in die Grablegen gelangt wären. Vielmehr ist im Umkehrschluss die Folgerung erlaubt, dass es sich bei den untersuchten sterblichen Überresten tatsächlich um die Gebeine der beiden Kaiser Otto I.
und Heinrich II. handelt. Die Identifizierung des Bestatteten aus dem kaiserlichen Grabmal im Magdeburger Dom als Otto I. darf damit als bestätigt gelten.
»Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben wir hier also die tatsächlichen sterblichen Überreste Kaiser Ottos des Großen vor uns«, so der Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Harald Meller.

Stimmen der multidisziplinären Forschergruppe anlässlich der Vorstellung erster Untersuchungs­ergebnisse im März 2026

Dr. Mathias Becker, Geschäftsführender Oberarzt am Universitätsklinikum Magdeburg, Zentrum für Radiologie an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin: »An der Untersuchung Ottos des Großen mitzuwirken, empfinde ich als einmalige Gelegenheit und große Ehre. In fachlicher Hinsicht ist die Erweiterung des Canalis Caroticus an der Schädelbasis besonders faszinierend, da die Suche nach den möglichen Ursachen dieses Phänomens unmittelbar Fragen nach dem Gesundheitszustand des Kaisers zum Zeitpunkt seines Todes berührt.«

PD Dr. Oliver Großer, Leitender Medizinphysiker am Universitätsklinikum Magdeburg, Zentrum für Radiologie an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin: »Die Computertomographie der Gebeine Ottos des Großen durchzuführen, war etwas ganz Besonderes. Ich freue mich sehr, dass wir mit den hochinnovativen Geräten und dem Knowhow der Magdeburger Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin zur Untersuchung dieser für Magdeburg so bedeutenden historischen Persönlichkeit beitragen können.«

Ei aus dem Holzsarg Ottos des Großen.

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, D. Dittrich)

Die ersten Ergebnisse anthropologischer, medizinischer, naturwissenschaftlicher und archäogenetischer Untersuchungen wurden im März 2026 an der Universitätsmedizin Magdeburg vorgestellt. 

(Foto: LDA Sachsen-Anhalt, M. Klehm)

Silbermünze, sogenannter Moritzpfennig des 13. Jahrhunderts aus dem Holzsarg Ottos des Großen.

 (Foto: LDA Sachsen-Anhalt, A. Tauschensky)

Computertomographische Untersuchung der sterblichen Überreste Ottos des Großen im Universitätsklinikum Magdeburg. (Foto: LDA Sachsen-Anhalt, C. Dähnel)

Autorin: Dr. Tomoko Emmerling

Pi (gekürzt): Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte/
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt/Medizinische Fakultät OvGU

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