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Interview mit Wernigerodes Stadtförster Michael Selmikat zur nächsten Pflanzaktion der Heilberufe

Heilung für den Harzwald

Heilung für den Harzwald

Baumpflanzaktion Heilberufe helfen dem Harz mit Setzlingen und Spaten
Eindrücke der ersten Baumpflanzaktion „Heilberufe helfen dem Harz“. Hier holt sich Ärztekammer-Präsident Prof. Uwe Ebmeyer den nächsten Schwung Setzlinge. | Foto: Peter Gercke

Klimawandel, Schädlinge, Monokulturen und Brände haben den Harz tief gezeichnet – und das Engagement der Ärztekammer und der anderen Heilberufe Sachsen-Anhalts reißt nicht ab.

Im Wernigeröder Stadtwald am Wellbornkopf geht das gemeinsame Aufforstungsprojekt „Heilberufe helfen dem Harz“ in eine neue Runde: Wir pflanzen am 9. und 10. Oktober 2026 – sehr wahrscheinlich Europäische Lärchen, wie uns Stadtförster Michael Selmikat im Interview verrät. Warum diese bestens geeignet ist, wie es den Setzlingen der vergangenen Jahre ergangen ist und wann der Harz wieder zur grünen Lunge wird – lesen Sie hier:

Fragt man verschiedene Experten zum Zustand und zur Zukunft des Harzwaldes, erhält man auch unterschiedliche Antworten. Manche klingen optimistisch, andere ernüchternd. Wie lautet Ihre Meinung zu diesem Thema?

„Das sieht doch sehr gut aus.“ Stadtförster Michael Selmikat misst die Wuchshöhe eines heranwachsenden Baumes. Er wurde als Setzling bei einer früheren Pflanzaktion der Ärztekammer eingepflanzt.

Michael Selmikat: Aus meiner Sicht erfolgt die Wiederbewaldung des Harzes schneller als gedacht – statt 20 Jahre werden wohl 15 Jahre ausreichen. Die Forstbetriebe haben es mit enormem Aufwand geschafft, mehrere 10.000 Hektar Schadflächen wieder zu bestocken. Damit ist die Basis gelegt für vielfältige, widerstandsfähige, stabile und nutzbare Waldbestände der Zukunft. Das natürliche Verjüngungspotenzial und die günstigen Wuchsbedingungen der letzten 5 Jahre haben den Forstleuten zusätzlich in die Hände gespielt. Und: Die Pflanzarbeiten wurden von vielen Seiten und Freiwilligen praktisch, finanziell und moralisch unterstützt. Wir können zufrieden sein mit dem Fortschritt der Wiederaufforstung der Harzer Wälder.

Herr Selmikat, wir freuen uns, Sie und Ihr Team auch in diesem Jahr im Wernigeröder Stadtforst am Wellbornkopf bei Ihrer Hege und Pflege tatkräftig zu unterstützen. Vielleicht noch ein kurzer Blick zurück: Macht sich die jährliche Pflanzaktion der Heilberufe Sachsen-Anhalts – es ist jetzt bereits die dritte – schon bemerkbar?

Michael Selmikat: Die Bäumchen haben sich entwickelt und es ist erkennbar, dass sich dort neue Wälder entwickeln. Immerhin wurden über 13.500 Bäume gepflanzt auf einer Fläche von ca. 10 Hek­tar. Die Fläche entspricht etwa 24 Fußballfeldern! Dies ist keine Symbolik, sondern echte Hilfe für den Forstbetrieb der Stadt Wernigerode

Wie ist es den Baumsetzlingen und Büschen insgesamt ergangen?

Michael Selmikat: Die Ergebnisse sind ansehnlich – auch dank der guten Arbeit der Pflanzerinnen und Pflanzer. Nachgepflanzt werden musste bislang nicht. Die Bestände befinden sich jetzt in der sogenannten Kulturphase, müssen also gepflegt und vor Wildverbiss geschützt werden.

Wie anpassungsfähig ist der jetzt heranwachsende Wald?

Michael Selmikat: Durch die richtige Wahl der Baumarten stellen wir die Weichen für die Zukunftsfähigkeit der Bestände. Das erfolgt mit Hilfe wissenschaftlich fundierter Empfehlungen und auf standörtlicher Grundlage. Dazu kommt sicher auch eine gewisse Portion Erfahrung. Eine Mischung mit mehreren Baumarten pro Fläche senkt das Risiko eines Totalausfalls. Bei der künftigen Pflege der Wälder soll der Einzelbaum eine höhere Bedeutung erfahren als in der Vergangenheit, in der man sich eher auf den Bestand fokussierte. Klar ist aber: Mit forstlichen Maßnahmen kann man nur an den Symptomen arbeiten. Der Kampf gegen Schadursachen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Menschheit.

Viele fleißige Hände schaffen viel – wir brauchen auch in diesem Jahr Ihr Engagement, um dem Harzwald wieder zur Pracht zu verhelfen.

Mit dem Klimawandel wandern Arten ein, andere sterben aus. Ist das vor Ort spürbar?

Michael Selmikat: Nein, nicht direkt. Neue, wärmetolerantere Baumarten werden im Stadtforst Wernigerode nur als Einzelbäume und zur Beobachtung gepflanzt. Es fehlen noch wissenschaftliche Ergebnisse zu Wuchsverhalten und Schädlingen. Experimente werden auf sogenannten Versuchsflächen durchgeführt, nicht im Stadtforst Wernigerode.

Wir pflanzen in diesem Jahr früher – schon in der zweiten Oktoberwoche. Was sind die Vorteile oder auch Nachteile?

Michael Selmikat: Wir sind unabhängig von Frühfrösten oder Wintereinbrüchen; auch kommt den Wurzeln die anschließende Winterfeuchtigkeit zu gute. Bei entsprechend ordentlicher Pflanzung gibt es keine Nachteile.

Wir werden deshalb unter anderem „Containerpflanzen“ in die Erde bringen. Was unterscheidet diese von bisherigen Setzlingen?

Michael Selmikat: Die Setzlinge werden mit einem Wurzelsubstrat in den Wald geliefert. Sie sind mehrere Monate in einem Behälter mit Nährstoffen herangewachsen, beim Pflanzen verbleibt dieses Substrat an der Pflanzenwurzel. Der Pflanzschock fällt sehr gering aus, da sich das direkte Wurzelumfeld kaum verändert.

Wie viele setzen wir in diesem Jahr – und warum diese Sorten?

Michael Selmikat: Wir möchten Europäische Lärchen pflanzen. Diese sind auf Grund ihrer Pfahlwurzel robust gegenüber Wind und Sturm, lassen sich langfristig gut mit anderen Baumarten ergänzen – Stichwort Mischwald – und liefern ein begehrtes Holz.

Worauf müssen sich unsere Helferinnen und Helfer einstellen? Müssen die Pflanzlöcher größer und tiefer werden? Haben Sie Tipps oder Tricks?

Michael Selmikat: Ich gehe davon aus, dass das Pflanzpersonal nicht nur über medizinische Kenntnisse verfügt, sondern auch über forstliche (lacht). Viele Helfer kommen ja zum wiederholten Mal, was uns sehr freut – da ist ordentliche Arbeit sichergestellt. Ansonsten gilt beim Pflanzen: „Schön tief und fest antreten!“ Meine Mitarbeiter sind mit vor Ort; jeder Helfer, jede Helferin bekommt eine sachkundige Einweisung. Und wenn Arbeitshandschuhe, festes Schuhwerk und wetterangepasste Kleidung getragen werden, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Ohne zu tief in die sprichwörtliche Glaskugel zu schauen: Was sehen wir in zehn bis zwanzig Jahren an unserer Pflanzstelle?

Michael Selmikat: Vitale und etwa zehn Meter hohe Eichen, Hainbuchen, Douglasien und Roterlen.

Interview: K. Basaran

Fotos: Peter Gercke

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