Nachwuchsförderung und Weiterbildung
Einen besonderen Stellenwert nahm erneut die Förderung des medizinischen Nachwuchses ein. Anstelle der klassischen Postersitzung wurde ein „Junges Forum“ mit 14 vorab begutachteten Kurzvorträgen etabliert, das sich rasch zu einem der Höhepunkte des Kongresses entwickelte. Unter dem Format „My best case“ präsentierten junge Kolleginnen und Kollegen eindrucksvolle Kasuistiken aus Gastroenterologie und Chirurgie. Damit unterstrich der Kongress seinen Anspruch, nicht nur wissenschaftliche Plattform, sondern zugleich aktives Netzwerk für Nachwuchsförderung und interdisziplinären Austausch zu sein.
Preise des „Jungen Forums“
Die besten Beiträge des „Jungen Forums“ wurden abschließend ausgezeichnet:
1. Preis: Mahmoud Hashem (Saalfeld)
„Wenn ein scheinbar multifokales hepatozelluläres Karzinom keines ist“
2. Preis: Dr. Jasmin Dillner (Magdeburg)
„Komplizierte Behandlung eines Typ-I-Endoleaks“
3. Preis: Pascal Menn (Saalfeld)
„Diagnostik eines großen Phäochromozytoms im Rahmen der Abklärung einer Pyelonephritis“
Weiterhin erhielt zudem die Sitzung zur chirurgischen Weiterbildung am zweiten Kongresstag besondere Aufmerksamkeit. Vertreterinnen und Vertreter der jungen Assistenzärzteschaft diskutierten innovative Weiterbildungskonzepte, darunter die verbindliche tägliche Integration von Weiterbildungselementen in den klinischen Alltag sowie strukturierte individuelle Weiterbildungspfade für Facharztkandidatinnen und -kandidaten.
Berufspolitik
Neben den wissenschaftlichen Sitzungen spielten auch berufspolitische Diskussionen eine zentrale Rolle. Viele Beiträge waren geprägt von der Sorge um die zukünftige Sicherstellung wohnortnaher Versorgung, die Attraktivität chirurgischer und gastroenterologischer Weiterbildung sowie die wirtschaftliche Stabilität kleinerer und mittlerer Krankenhausstandorte.
Gleichzeitig überwog jedoch keineswegs Resignation. Vielmehr wurde deutlich, dass zahlreiche Kliniken die aktuellen Reformprozesse aktiv nutzen wollen, um regionale Kooperationen auszubauen und interdisziplinäre Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln.
Festvortrag: Genetik, Migration
und menschliche Evolution
Ein besonderer wissenschaftlicher Höhepunkt war der Festvortrag von Professor Dr. Johannes Krause, Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, zu „Die genetische Geschichte der Europäer: Migration und Anpassung in der Vorgeschichte“. Krause spannte einen faszinierenden Bogen von frühen Jäger- und Sammlerpopulationen über die neolithische Expansion bis hin zu den großen Migrationsbewegungen der Bronzezeit. Eindrucksvoll zeigte er, wie moderne genetische Analysen das Verständnis der europäischen Frühgeschichte grundlegend verändert haben.
Als langjähriger Weggefährte von Nobelpreisträger Svante Pääbo war Krause maßgeblich an der Entwicklung der Paläogenetik beteiligt. Die Leipziger Arbeitsgruppe revolutionierte durch die Analyse alter DNA aus fossilen Knochen das Verständnis menschlicher Evolution und Anpassung. Besonders eindrucksvoll schilderte Krause, wie genetische Daten heute nicht nur Wanderungsbewegungen rekonstruieren, sondern auch Anpassungsprozesse an Ernährung, Krankheitserreger und Umweltbedingungen sichtbar machen können. Der Vortrag verband Evolutionsbiologie, Grundlagenforschung und Medizin in außergewöhnlicher Weise und gehörte zweifellos zu den Höhepunkten der Tagung.
Industrieausstellung und Digitalisierung
Die Industrieausstellung ergänzte das Kongressprogramm durch einen umfassenden Überblick über aktuelle Entwicklungen in Endoskopie, Robotik, digitaler Dokumentation und KI-gestützten Assistenzsystemen. Besonders auffällig war die zunehmende Digitalisierung diagnostischer und therapeutischer Prozesse in nahezu allen Bereichen der Viszeralmedizin.
Ausblick auf 2027 – Terminhinweis:
Bereits jetzt richtet sich der Blick auf die Jahrestagung der TGC, die auch im kommenden Jahr wieder in Weimar (27./28. Juni 2027) stattfinden wird, dann unter der Leitung von Professor Dr. Henning Mothes. Ein wesentliches Ziel bleibt dabei die noch stärkere aktive Einbindung weiterer chirurgischer Fachdisziplinen wie Gefäß-, Thorax-, Kinder-, Unfall- und plastischer Chirurgie.
Schlussbetrachtung
Die gemeinsame Jahrestagung von MGG, MDCV und TGC bestätigte eindrucksvoll ihre besondere Rolle innerhalb der mitteldeutschen Medizinlandschaft. Der Kongress verstand sich nicht nur als wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltung, sondern zugleich als Signal für Zusammenhalt, Innovation und interdisziplinäre Zusammenarbeit in einer Zeit tiefgreifender struktureller Veränderungen. Am Ende blieb der Eindruck eines Kongresses, der die aktuellen Herausforderungen der Viszeralmedizin klar benannte, zugleich aber auch die Innovationskraft und den Gestaltungswillen der beteiligten Fachdisziplinen sichtbar machte. Erneut bestätigte sich dabei, dass Interdisziplinarität nicht nur programmatisches Leitmotiv, sondern gelebte klinische Realität geworden ist.