Mit tiefster Trauer und unfassbarer Bestürzung nehmen wir Abschied von unserer geschätzten Kollegin Frau Oberärztin Tatiana Gravchenko, die am 24. Juli 2025 nach kurzer, schwerer Krankheit viel zu früh von uns gegangen ist. Ihr Tod hinterlässt eine tiefe Lücke in unserer Mitte und dem gesamten Fachgebiet der Geriatrie.
Frau Oberärztin Gravchenko war eine Ärztin aus Leidenschaft, deren Lebensweg von unermüdlicher Hingabe für die Medizin und die ihr anvertrauten Menschen geprägt war. Sie vereinte eine herausragende fachliche Qualifikation mit beispiellosem Engagement und tiefster Menschlichkeit.
Geboren in Kulebaki, Russland, absolvierte sie ihr Studium an der medizinischen Hochschule Nishnij Nowgorod. Ihre beeindruckende berufliche Laufbahn begann 1991 mit dem Abschluss als Pädiaterin, gefolgt von Spezialisierungen in Kinderneurologie und Akupunktur an der Universität für traditionelle Medizin. Nach ihrer Rückkehr in die Heimatstadt arbeitete sie als Ärztin für Neurologie, Kinderneurologie und Reflextherapie in der neurologischen Abteilung des Zentralbezirkskrankenhauses. Ihr kontinuierliches Streben nach Weiterbildung führte 1997 zum Abschluss als Fachärztin für Neurologie und dem nachfolgenden Erwerb der Zusatzqualifikation Neuropathologie.
Im Jahr 2002 führte sie ihr Wunsch nach neuen Erfahrungen und Weiterentwicklung nach Deutschland. Ihre berufliche Laufbahn setzte sie zunächst in der Neurologie und anschließend in der Unfallchi-rurgie/Orthopädie des Krankenhauses Blankenburg fort. Ihre wahre Berufung fand sie im Jahr 2003 in der internistisch-geriatrischen Abteilung des Krankenhauses Blankenburg. Im komplexen Fachgebiet der Geriatrie, welches fundierte Kenntnisse vor allem in der Neurologie, Unfallchirurgie sowie allen Teilgebieten der Inneren Medizin erfordert, konnte sie ihre bisher erworbene Expertise mit Leidenschaft und Erfolg einsetzen. Im Jahr 2015 schloss sie ihre Ausbildung erfolgreich mit der Facharztprüfung Innere Medizin und Geriatrie bei der Ärztekammer Sachsen-Anhalt ab.
Besondere Herzensangelegenheit war ihr die eingebettete Palliativversorgung in der Geriatrie. Hier behandelte sie ihre Patienten am Lebensende nicht nur mit außergewöhnlichem Fachwissen, sondern vor allem mit ihrer einzigartigen Empathie und ganzen Wärme. Sie hatte die Gabe, medizinische Kompetenz mit einem tiefen Mitgefühl zu verbinden und in den schwierigsten Momenten Würde und Trost zu schenken, indem sie Patienten und ihren Familien Sicherheit gab und Ängste nehmen konnte.
Sie vereinte die analytische Schärfe einer Neurologin mit der unendlichen Geduld einer Geriaterin. Wo andere nicht weiterwussten, fand sie stets eine Lösung. Mit ihrem breit gefächerten Wissen betreute und begleitete sie viele Assistenzärzte erfolgreich bis zur Facharztreife.
Nach dem feststehenden Umzug der Geriatrie von Blankenburg nach Quedlinburg wirkte sie aktiv an der baulichen und räumlichen Planung mit, um die bestmöglichen Voraussetzungen für die geriatrische Patientenversorgung zu schaffen.
Im Mai 2020 wurde Frau Gravchenko in das AWO Krankenhaus Calbe berufen, wo sie als Oberärztin die geriatrischen Stationen betreute. Durch ihre außerordentlichen Qualifikationen etablierte sie eine hochqualitative Patientenversorgung und
sicherte die Ausbildung der Assistenzärzte auf hohem Niveau. Ihre Kolleginnen und Kollegen schätzten sie zutiefst als fleißige und gewissenhafte Mitarbeiterin. Ihr ruhiges Auftreten, ihr freundliches Wesen und ihre hohe Einsatzbereitschaft bereicherten stets unsere Arbeit und unser Miteinander.
Sie war mehr als eine hervorragende Ärztin; sie war eine einzigartige Kollegin und ein warmherziger Mensch. Sie hat uns allen gezeigt, dass wahre Heilkunst nicht nur im Wissen liegt, sondern auch in der Güte des Herzens. Die Spuren, die sie hinterlässt, sind nicht in den medizinischen Akten zu finden, sondern tief in den Herzen der Menschen, denen sie geholfen, und derer, die sie auf ihrem Weg begleitet hat.
Es war mir eine große Ehre mit Frau Oberärztin Tatiana Gravchenko zusammenarbeiten zu dürfen.
Sie hinterlässt einen Ehemann und zwei Kinder. Ihr Verlust ist unermesslich. Wir werden sie als eine wundervolle Ärztin, eine zutiefst menschliche Kollegin und eine Freundin in unserem Gedächtnis bewahren. Unser tiefstes Mitgefühl gilt ihrer Familie.
Stefan Schütze
Ehemaliger Ärztlicher Direktor/Chefarzt der Klinik für Geriatrie/ Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Hypertensiologe DHL des AWO Krankenhaus Calbe/Saale Krankenhaus Calbe