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Eine Hommage an Herztöne

Leserbrief zum Artikel

Leserbrief zum Artikel

„Interventionelle Therapie der sekundären Mitralklappen- insuffizienz mit dem CARILLON®-System“

im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt, Heft 0102/2026, Seite 25ff
Blick auf die großen Glocken

Der sehr lesenswerte Artikel in der Ausgabe 0102/2026 zum CARILLON®-System informiert über die elegante und neuartige Möglichkeit zur minimalinvasiven Therapie der sekundären Mitralklappeninsuffizienz. Dabei wird über ein in den Sinus coronarius eingebrachtes Drahtgeflecht die Mitralklappe wieder gespannt. Diese neuartige, revolutionäre Methode bediente sich eines althergebrachten Namens – der Zusammenhang zum namensgebenden „Carillon“ blieb ausstehend. Daran anknüpfend soll dieser Leserbrief einen enormen Klang- und Kulturschatz Sachsen-Anhalts und das nahezu größte Instrument beleuchten.

Bei einem Carillon handelt es sich um ein Glockenspiel, bei dem die/der Glockenspielerin/-spieler (Carilloneur) über einen Klavier-ähnlichen Spieltisch mit Fäusten und Füßen per Seilzug-Mechanik die Bronze-Glocken (Gewicht bis mehrere Tonnen) gezielt erklingen lässt.

Mit dem Ursprung in Belgien/Niederlanden um das 17./18. Jahrhundert schlägt auch heute noch dort das Herz dieses Instruments mit einer sehr hohen Dichte an Carillons. Aber auch in Deutschland befinden sich etwa 50 Carillons und darunter sogar das zweitgrößte Europas – und dieses ausgerechnet im Roten Turm auf dem Marktplatz in Halle an der Saale: Das Europa-Carillon. Mit 76 Glocken (die schwerste wiegt über 8 Tonnen) steht es weltweit nur einem Carillon in Portugal, Russland und Südkorea um wenigste Glocken nach.

Glöcknerstube mit Spieltisch

Die Stadt Halle und das Stadtmuseum Halle fördern den Nachwuchs an Carilloneuren mit einem dreijährigen Ausbildungsprogramm zum Halleschen Stadtcarilloneur. Es ist schier gewaltig quasi mitten zwischen den Glocken zu sitzen, von den Tönen umgeben zu sein und mit ihnen über Halles Dächer zu schweben. Zu hören sind die Glocken während wöchentlicher Konzerte/Live-Anspiele sonntags um 16 Uhr, sonst gibt es mehrmals täglich automatische Anspiele. Zu sehen und zu hören sind die Glocken und die imponierende Geschichte des Roten Turmes während Turm-Führungen (es gibt auch spezielle Glöckner-Führungen, auch privat buchbar über das Stadtmuseum Halle).

Doch wo liegt nun die namensgebende Gemeinsamkeit? Immerhin ist beides aus Metall. Die laut Herstellerangaben (nicht primär ersichtliche) Glocken-anmutende Form des Drahtgeflechts lässt auch einen Telefonhörer, eine Schöpfkelle oder Bären-Öhrchen erahnen, wobei der gewählte Name wahrscheinlich der wohlklingendste ist. Kommen Sie gerne vorbei und baden Sie in den Glockenklängen.

Dr. med. Philipp Steinau,
im 5. Weiterbildungsjahr zum FA Allgemeinmedizin,
im 3. Weiterbildungsjahr zum Halleschen Stadtcarilloneur

Fotos: Beate Krauße