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Ehrliche Rechnung statt Spardiktat:
Ehrliche Rechnung statt Spardiktat:

Welche Versorgung wollen wir uns leisten?

Welche Versorgung wollen
wir uns leisten?

(Foto: Peter Gercke)

Entgegen allen Unkenrufen und manchem Tadel sichert unser Gesundheitssystem jeden Tag für Millionen Menschen eine Versorgung auf Spitzenniveau. Das gelingt vor allem durch den unermüdlichen Einsatz aller Gesundheitsberufe. Eine Frage steht allerdings im Raum: Welche Gesundheitsversorgung wollen und können wir uns als Gesellschaft künftig leisten? Für Sachsen-Anhalt gewinnt diese Frage speziell nach der Landtagswahl Bedeutung. Während die Krankenhausplanung auf Spezialisierung, Kooperation und eine engere Verzahnung von Klinik und Praxis setzt, überbieten sich politische Akteure mit Forderungen nach imaginären Strukturen, die weder medizinisch noch ökonomisch tragfähig sind.

Gleichzeitig regiert das Spardiktat. Doch wer spart eigentlich – und zu welchem Preis? Darf ein Krankenhaus bestimmte Leistungen nicht mehr anbieten, sinken die Kosten keineswegs automatisch. Fixkosten bleiben bestehen, Vorhaltung kostet Geld, selbst wenn Abteilungen nicht jeden Tag voll ausgelastet sind. Bauliche und strukturelle Anpassungen erfordern Investitionen, die aber aus der Krankenhausförderung kaum zu decken sind. Und dann folgt das politische Schlagwort: Ambulantisierung. Doch eine Leistung verschwindet dabei nicht einfach; sie zieht lediglich um – vom Krankenhaus in die Praxis. Als Internistin und Hausärztin erlebe ich täglich, was das bedeutet: Wir brauchen dafür zusätzliche Räume, moderne Technik, qualifiziertes Personal, Zeit sowie eine verlässliche Finanzierung. Mehr Patienten = mehr Ressourcen!

In einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt droht darüber hinaus ein Faktor unterzugehen: Erreichbarkeit. Werden Angebote konzentriert oder verlagert, verlängern sich Wege. Für ältere, chronisch kranke oder immobile Patientinnen und Patienten wird aus zusätzlichen Kilometern schnell eine reale Zugangshürde. Eine ambulante Alternative hilft aber nur, wenn sie erreichbar ist, Termine frei hat und personell leistungsfähig ist. Erreichbarkeit ist kein Luxus, sie ist Kern der Versorgung.

Wir dürfen die Debatte nicht beim Einsparen beginnen. Erst müssen wir den realen Versorgungsbedarf im gemeinsamen Diskurs aller Beteiligten definieren, dann den Preis dafür berechnen – nicht umgekehrt. Es geht nicht um Strukturerhalt um jeden Preis, sondern um eine ehrliche Rechnung. Wer Versorgung bestellt, muss auch bereit sein, sie zu finanzieren. Lassen Sie uns diese Debatte in unserer Kammer, mit der Politik und den Bürgern Sachsen-Anhalts offen und beharrlich führen: Welche Prioritäten setzen wir?

Ihre Carola Lüke
Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Portraitaufnahme von Prof. Hermann-Josef Rothkötter

Dr. med. Carola Lüke
(Foto: Peter Gercke)