Das einzig Beständige ist der Wandel. Dieses kann man gerade im Frühling in der Natur ganz eindrücklich bewundern. Nach gleichem Motto scheint aber auch die Politik mit dem Thema Krankenhaus und Gesundheit umzuspringen. Gesetzesvorgaben werden im Wochenrhythmus verabschiedet, verändert, angepasst. Langfristige Krankenhausplanung sieht anders aus. Verantwortliche in leitenden Positionen wissen heute nicht, welche Regeln und Rahmenbedingungen morgen gelten. Von Politik und Kostenträgern ins Feld geführt werden dabei immer mangelnde Qualität und zu hohe Kosten. Bei der mangelnden Qualität wird allzu gerne auf Mortalität und Morbidität der Bevölkerung abgezielt, ohne dabei selbstverantwortliche Faktoren wie Alkohol- und Zigarettenkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht und ungesunde Ernährung vielleicht eher als Ursachen für die niedrigere Lebenserwartung als die mangelnde Qualität der ärztlichen Versorgung anzusehen. Wenn ich ein Auto maximal auf Verschleiß fahre, ist doch am Ende auch nicht die Werkstatt daran schuld, dass das Gefährt nach einem Jahr schrottreif ist. Man möge mich da bitte nicht falsch verstehen, jeder kann mit seinem Körper anstellen, was er mag. Nur für die Konsequenzen daraus ist nicht der Arzt verantwortlich.
Beim zweiten Kritikpunkt, den hohen Kosten, spielen Teuerungsfaktoren eine Rolle, die von den Krankenhäusern nur eingeschränkt zu beeinflussen sind. Der Arbeitnehmermarkt in Pflege und Ärzteschaft hat zu durchaus üppigen Tarifabschlüssen in der Vergangenheit geführt, die bei dem hohen Anteil von Lohnkosten an der Gesamtkostenquote entscheidend ins Gewicht fallen. Auch Sach- und Energiekosten kennen eigentlich seit Corona nur noch eine steile Richtung. Der medizinische Fortschritt mit immer besserer Diagnostik und Therapie erhöht ebenfalls im Krankenhaus die Kosten erheblich.
Bei Einsparung und Effizienzsteigerung im Krankenhaus geht es schon lange nicht mehr um Profitsteigerung, sondern in den allermeisten Kliniken nur noch um das finanzielle Überleben.Eine Lösung dafür soll Spezialisierung und Zentralisierung sein, verbunden mit einer wohnortnahen stationären Basisversorgung. Zur Wahrheit gehört dann aber auch, dass es damit für die Patienten vor allem in der Fläche durchaus zu Versorgungsverschlechterungen (längere Fahrzeiten etc.) kommen wird.Bei der jetzt anstehenden Krankenhausreform wird es darauf ankommen, in Sachsen-Anhalt langfristig eine bezahlbare, qualitativ hochwertige und für medizinische Fachkräfte attraktive Krankenhauslandschaft zu etablieren.
Ihr Henning Böhme
Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt