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Tagung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes mit der Bundeswehr

Zivil trifft Militär – Allianz für die Gesundheit

Zivil trifft Militär – Allianz für die Gesundheit
Porträt des Dr. Hennig im Anzug bei einer Veranstaltung im Freien.
Dr. Eike Hennig | Foto: ÄKSA/Peter Gercke

In Zeiten zunehmender gesundheitlicher Bedrohungslagen – sei es durch Pandemien, Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse oder andere Krisenszenarien – gewinnt die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Akteuren an Bedeutung. Eine enge Abstimmung zwischen dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) und der Bundeswehr ist dabei von zentraler Relevanz, da beide Institutionen über komplementäre Kompetenzen und Ressourcen verfügen, die im Krisenfall zum Schutz der Bevölkerung wirksam gebündelt werden müssen.

So fand am 22. und 23. Mai 2025 die erste gemeinsame Tagung des Landesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen im Land Sachsen-Anhalt e. V. mit der Bundeswehr statt. Als Tagungsort wurde das Bundessprachenamt in Naumburg gewählt. Das Bundessprachenamt versteht sich als zentraler Sprachendienstleister der Bundeswehr. Ziel der Veranstaltung war es nicht nur, sich kennenzulernen, sondern auch gegenseitige Erwartungen zu formulieren. Im Mittelpunkt stand somit auch das Verständnis füreinander und die Rollenverteilung im System der öffentlichen Gesundheit.

Der ÖGD bringt seine Expertise im Bereich der bevölkerungsbezogenen Prävention, epidemiologischen Bewertung und regionalen Gesundheitsstruktur ein und ist gleichzeitig behördlich in die kommunale und landesweite Gefahrenabwehr eingebunden. Demgegenüber verfügt die Bundeswehr – insbesondere über ihren Sanitätsdienst – über ein hohes Maß an logistischer Leistungsfähigkeit, einsatzbereitem medizinischen Personal sowie über umfangreiche Erfahrungen im Management komplexer Einsatzlagen. Diese Fähigkeiten können im Falle überregionaler Gesundheitskrisen eine entscheidende Unterstützung für die zivilen Strukturen darstellen, insbesondere bei personellen Engpässen oder infrastrukturellen Herausforderungen.

Die Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie haben gezeigt, dass die Unterstützung der Bundeswehr – etwa beim Aufbau von Impf- und Testzentren oder in der Logistik – ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Krisenmanagement war. Die dort etablierte Zusammenarbeit verdeutlicht das Potenzial, das in einer frühzeitigen, strukturierten Kooperation zwischen ÖGD und Bundeswehr liegt. Eine solche Zusammenarbeit ist nicht nur reaktiv von Bedeutung, sondern sollte bereits im Vorfeld durch gemeinsame Übungen, abgestimmte Einsatzpläne und kontinuierlichen Austausch institutionalisiert werden.

Darüber hinaus eröffnet die Kooperation unterschiedliche Perspektiven auf gemeinsame Herausforderungen: Während der ÖGD vor allem die gesundheitliche Versorgung und Vorsorge in der Fläche adressiert, bringt die Bundeswehr eine sicherheitsorientierte, strukturierte und einsatzbezogene Sichtweise ein. Die Verbindung dieser Sichtweisen kann zu einer robusteren und widerstandsfähigeren öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur führen – insbesondere in Krisenlagen, in denen schnelles, koordiniertes und effizientes Handeln gefordert ist.

Auf dem letzten Bundeskongress des Öffentlichen Gesundheitswesens wurde auch dieser Satz geprägt: „Die Gesundheitsämter können nur Frieden“. Das mag stimmen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es geht nicht darum, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu militarisieren. Es ist nur an der Zeit, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen und darüber zu sprechen.

Der Versuch, einen Teil der Aufgaben des ÖGD in einer akuten Krisensituation zu definieren, sei an dieser Stelle gestattet:

1. Gesundheitsschutz und Überwachung

  • Erkennen und Eindämmen von Krankheitsausbrüchen: Überwachung von Infektionskrankheiten, schnelle Meldung und Bekämpfung von Epidemien
  • Hygienekontrollen: Trinkwasserqualität, Lebens-
    mittelhygiene
  • Monitoring von Umweltgefahren: Kontrolle von Luft, Wasser und Boden

2. Koordination der medizinischen Versorgung

  • Unterstützung bei der Organisation von Feldlazaretten, Notaufnahmen und Versorgungszentren
  • Verteilung von Medikamenten, Impfstoffen und medizinischem Material
  • Unterstützung bei der medizinischen Betreuung von Evakuierten und Verletzten

3. Gesundheitsvorsorge und Prävention

  • Durchführung von Impfkampagnen gegen Krankheiten, die in Krisensituationen gehäuft auftreten (z. B. Tetanus, Masern, Cholera)
  • Informationen für die Bevölkerung zu Schutzmaßnahmen, Hygiene und Verhalten im Ernstfall

4. Krisenmanagement und Zusammenarbeit

  • Enge Zusammenarbeit mit Katastrophenschutz, Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Bundeswehr und NGOs
  • Umsetzung von Pandemie- oder Katastrophenschutzplänen
  • Bereitstellung von Gesundheitsdaten für Krisenstäbe zur Entscheidungsfindung

5. Psychosoziale Unterstützung

  • Organisation von Kriseninterventionsteams und psychosozialer Notfallversorgung für Betroffene und Einsatzkräfte

6. Langfristige Aufgaben nach der Krise

  • Untersuchung von Krankheitsverläufen, Aufarbeitung der gesundheitlichen Folgen

Diese Tagung hat gezeigt, wie viel Potenzial in einer starken Allianz zwischen Öffentlichem Gesundheitsdienst und Bundeswehr steckt. Wenn wir unsere Kräfte bündeln, Kompetenzen austauschen und Vertrauen aufbauen, schaffen wir Strukturen, die Menschen in Krisenzeiten zuverlässig schützen.

Dazu bedarf es gut ausgebildetes Personal im ÖGD. Kurz- und mittelfristig ergeben sich somit enorme Aufgaben. Jetzt ist der Moment, die personellen und fachlichen Voraussetzungen zu schaffen und die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr weiter auszubauen, sowohl aus Pflicht als auch aus Verantwortung.

Dr. Eike Hennig
Verband der Ärztinnen und Ärzte
im Öffentlichen Gesundheitsdienst
im Land Sachsen-Anhalt e. V.

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