Mit dem erstmals ausgerichteten Halleschen Notfallmedizinsymposium (HaNSy) hat die Universitätsklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsmedizin Halle mit Unterstützung der DRF Luftrettung am 12. Mai 2026 ein neues Forum für den interprofessionellen Austausch in der Notfallmedizin etabliert. Veranstaltungsort war die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale), in der sich Ärztinnen und Ärzte, nichtärztliches Rettungsfachpersonal sowie interessierte Gäste über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der präklinischen Notfallversorgung austauschten.
Unter dem Leitthema „Rettungsdienst der Zukunft“ standen sowohl technologische Innovationen als auch ethische und strukturelle Herausforderungen im Mittelpunkt des Programms. Die Beiträge verdeutlichten dabei die zunehmende Komplexität präklinischer Versorgungskonzepte und die wachsenden Anforderungen an Rettungsfachpersonal und Notärztinnen und Notärzte.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Vortrag von Dr. med. Kay Czaja (BG Unfallkrankenhaus Berlin, Ltd. Hubschrauberarzt Christoph Berlin der DRF Luftrettung) zum Projekt „HeliBlut“, der sich mit der präklinischen Vorhaltung von Blutprodukten auf Luftrettungsmitteln auseinandersetzte. Vorgestellt wurden aktuelle Erfahrungen aus der Anwendung von Erythrozytenkonzentraten und Gerinnungsprodukten bereits am Einsatzort sowie deren Bedeutung für die Versorgung schwerstverletzter Patientinnen und Patienten im hämorrhagischen Schock. Diskutiert wurden neben logistischen Voraussetzungen insbesondere die potenziellen Auswirkungen auf Überlebensraten und die zeitkritische Traumaversorgung im ländlichen Raum.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf ethischen Fragestellungen im Rettungsdienst. Hier präsentierte PD Dr. med. Christian Volberg (Universitätsklinikum Giessen und Marburg) Studienergebnisse zur palliativen Extubation nach erfolgreichem ROSC im präklinischen Setting bei klar ersichtlichem Patientenwillen. Dabei wurde deutlich, dass palliative Konzepte zunehmend auch in der Akut- und Notfallmedizin an Bedeutung gewinnen.
Mit Blick auf langfristige Entwicklungen beschäftigte sich ein weiterer Programmpunkt mit dem „Rettungsdienst 2030“. Thematisiert wurden durch Dr. med. Karsten zur Nieden (ÄLRD der Stadt Halle (Saale), Ausschuss für Notfall- und Katastrophenmedizin der LÄK SachsenAnhalt) unter anderem die Digitalisierung von Einsatzabläufen, telemedizinische Unterstützungssysteme, neue Qualifikationsprofile sowie der zunehmende Fachkräftemangel.
Neben den wissenschaftlichen Vorträgen bot das Symposium in der Podiumssitzung Raum für Fragen und Diskussionen mit Gästen wie Dr. med. Jörg Böhme (Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt), sowie Vertretern aus Klinik und Rettungsdienst. Hauptschwerpunkte waren hier die Steuerung von Patientenströmen zwischen ambulanter und klinischer Notfallmedizin sowie neue Konzepte zur Entlastung des Rettungsdienstsystems. Konsens aller war, dass die zukünftige Leistungsfähigkeit der Notfallversorgung maßgeblich von strukturellen Reformen und einer stärkeren sektorenübergreifenden Vernetzung abhängen werde.
Mit der Premiere des HaNSy setzt die Universitätsmedizin Halle ein Zeichen für die stärkere wissenschaftliche und gesundheitspolitische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der modernen Notfallmedizin.
Die Universitätsmedizin Halle freut sich auch im kommenden Jahr wieder viele Besucherinnen und Besucher zum nächsten HaNSy begrüßen zu dürfen.
Autor: Dr. Matthias Beese
Facharzt für Anästhesiologie, Anästhesiologische Intensivmedizin, Notfallmedizin, Taucherarzt,
Qualifikation LNA, Ltd. Hubschrauberarzt LRZ Halle/Oppin
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