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Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft (SAKG)

Das Ziel: Als Institution für Krebsbetroffene und Angehörige flächendeckend sichtbar sein

Das Ziel: Als Institution für Krebsbetroffene und Angehörige flächendeckend sichtbar sein

Die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft (SAKG) hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 von einem Verein zu einer breit aufgestellten Institution gewandelt: Mit den in 2023 eröffneten Krebsberatungsstellen in Stendal und Quedlinburg, den letzten beiden von landesweit sechs Psychosozialen Beratungsstellen und zehn verbunden Außenberatungsstellen ist das flächendeckende Netz komplett. Damit ist die SAKG bei der Versorgung und Betreuung von Krebsbetroffenen breit aufgestellt. So gerüstet will sie auch ihrem erklärten Ziel einen Schritt näher kommen: Mit der umfassenden Unterstützung können Krebspatienten und Angehörige bei der SAKG während des Kampfes gegen die Krankheit ganzheitlich betreut und begleitet werden.

„Hätte ich das mal früher gewusst“ – diesen Satz hören Sven Weise, Geschäftsführer der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft (SAKG), und sein Team oft. Die Krebsbetroffenen und ihre Angehörigen sprechen ihn aus, wenn sie – wie es noch immer häufig der Fall ist – erst relativ spät auf die Beratungsangebote der SAKG stoßen. Diese Erfahrung zeigt zweierlei: „Wir müssen die Informationen noch stärker in die Region streuen“, sagt Sven Weise, „sie muss bei allen ankommen, die mit dem Thema Krebs zu tun haben: Mediziner, Pflegende, Betroffene, Angehörige. „Es muss klar werden, dass wir zu den ersten Ansprechpartnern gehören“, so Weise.

Sein Team hat bereits viel für die Sichtbarkeit der Angebote getan, „aber da geht noch was“, sagt er. In verschiedenen Kliniken und Praxen liegen Infotafeln und Flyer aus, doch die Erfahrung zeigt, dass dieses Werbematerial allein nicht ausreicht, weil es oft schlicht übersehen wird. Aus diesem Grund experimentiert die SAKG derzeit mit der Ausgabe von Abreißblöcken im handlichen Postkartenformat, mit denen Ärzte unkompliziert eine Überweisung zur Psychosozialen Beratung ausstellen können. Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass diese Blöcke gut angenommen werden. Mediziner können sie unkompliziert in ihren Arbeitsalltag integrieren und sie überdies kostenlos direkt bei der SAKG bestellen.

Dennoch: Gerade in ländlichen Regionen wissen niedergelassene Ärzte noch zu selten von der Existenz der Angebote der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft. Und das, obwohl die Einrichtung seit ihrer Gründung im Jahr 2000 inzwischen auch personell stark angewachsen ist. Waren es zu Beginn lediglich zehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, so ist ihre Zahl inzwischen auf 26 gestiegen. Die meisten davon sind Psychologinnen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die über eine entsprechende Zusatzausbildung in Psychoonkologie verfügen.

Möglich wurde das durch die im Jahr 2021 mit einer gesetzlichen Neuregelung auf Bundesebene einhergegangene veränderte Finanzierung der Einrichtung. Seither sind die Krankenkassen verpflichtet, die psychosoziale Beratungsarbeit bei Krebspatienten teilweise zu übernehmen. Die Neuregelung wird nun Zug um Zug umgesetzt, vor allem ermöglichte sie die Besetzung zusätzlicher Stellen sowie eine bessere Ausstattung mit Sachmitteln. „Wir erreichen damit unser Ziel einer flächendeckenden Krebsberatung“, so Weise.

Flächendeckendes Netz an Beratungsstellen

Begonnen hat alles mit der Eröffnung der ersten Einrichtung in Halle (Saale), die bereits im Jahr 2000 an den Start ging. In der folgenden Zeit insbesondere seit 2010 wurden weitere Standorte etabliert:

Von Kalbe (Milde), Haldensleben, Genthin, Wernigerode, Magdeburg, über Wittenberg, Dessau, Bernburg, Bitterfeld bis nach Sangerhausen, Weißenfels, Naumburg und Zeitz ist inzwischen ein landesweit flächendeckendes Netz entstanden, das mit der Eröffnung der letzten beiden Einrichtungen im Herbst 2023 in Stendal sowie in Quedlinburg komplettiert wird. Die Öffnungszeiten in den Einrichtungen der SAKG sind unterschiedlich: Die meisten sind täglich geöffnet, die zehn Außenstellen derzeit in der Regel jedoch einmal pro Monat.

„Damit ist unser Netzwerk vollständig und wir sind für alle Betroffenen vor Ort erreichbar“, so Sven Weise. Dies sei vor allem für die Patienten im ländlichen Raum ein großer Gewinn, denn sie haben bisher häufig nicht nur unter den von der Krankheit verursachten Einschränkung gelitten, sondern auch darunter, dass ihr Wohnort weit entfernt von den Hilfsangeboten lag.

Die Erfahrungen aus der Praxis geben Weise recht: Die Beratungsstellen im Land, in der Regel mit Psychologen und Sozialarbeitern besetzt, werden bereits nach einer kurzen Anlaufphase gut von den Betroffenen angenommen. Die Angebote sind vielfältig und erstrecken sich auf alle Phasen, die ein Patient in der Regel durchläuft, angefangen von der Diagnose, über die Behandlung bis hin zur Nachsorge. Hinzu kommen weitreichende Angebote für die Angehörigen, die häufig ebenfalls stark unter der Erkrankung in ihrer Familie leiden.

Grundsätzlich existieren in der Arbeit mit und für die Betroffenen also mehrere Säulen. Sven Weise: „Die Leute sollen so früh wie möglich bei uns andocken, damit wir früh Entlastung schaffen können. Dies gelte für die psychische Verfassung der Patienten und ihre Lebensbewältigung gleichermaßen.

Säule 1: Diagnose und Therapie

Nach der Diagnose helfen die Ansprechpartner der SAKG bei der Entscheidungsfindung in Bezug auf die weitere Behandlung, was auch eine Entlastung für die häufig von einer Informationsflut überforderten Patienten zur Folge hat. „Wir beraten die Patienten dazu, wie es weitergehen kann. Das ist eine wichtige Säule der Kommunikation, die im stationären Bereich nicht geleistet werden kann“, sagt Sven Weise und verweist auch auf die Möglichkeit der Vermittlung einer zweiten Meinung.

Säule 2: Krankheitsbewältigung und Psyche

Des Weiteren können wir entlastende Gespräche anbieten, denn die Menschen sollen mit ihren Problemen nicht alleine sein. Krebsbetroffene leiden häufig unter Ängsten. Hier können Gespräche mit speziell ausgebildeten Psychoonkologen und Psychoonkologinnen der SAKG zur Entlastung beitragen.

Das Leistungsspektrum der psychosozialen Krebsberatung ist umfassend: Dazu gehören unter anderem: Das Einschätzen der psychosozialen Belastung sowie der persönlichen Ressourcen, Krisenintervention in akut stark belasteten Situationen, Hilfe bei der Suche nach qualitätsgesicherter Information, Interventionen zur Förderung der Anpassung an die veränderte Lebenssituation, Unterstützung in akuten sozialen und materiellen Notlagen, Förderung des Austauschs von Betroffenen, Unterstützung im Umgang mit Einrichtungen des Sozialversicherungs- und Gesundheitswesens und die Vermittlung weiterführender Hilfe und die Förderung selbstbestimmter Entscheidungsfindung.

Die Psychosoziale Krebsberatung hat viele positive Auswirkungen: Durch die Reduktion von Depressionen und Angst werden emotionale Gesundheit und Paar- sowie Familienbeziehungen verbessert, außerdem das Selbstwertgefühl gesteigert, kurz: die Lebensqualität erhöht. All diese Schritte fördern die Krankheitsverarbeitung.

Weitere Beratungsangebote sind eine Unterstützung im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe. Hier seien vor allem praktische Tipps im Umgang mit Behörden genannt. Bei Patienten, die stärkere Unterstützung benötigen, können die Mitarbeiter in den Beratungsstellen auch direkt eingreifen, etwa, wenn es um die Beantragung von Hilfen geht, die oft mit der Überwindung bürokratischer Hürden und dem Kontakt zu Ämtern oder Krankenkassen einhergehen.

Standorte der Beratungsstellen

Standorte der Beratungsstellen

Säule 3: Nachsorge und Alltagsbewältigung

Im Anschluss an die Akutversorgung folgt häufig eine Reha. Danach haben die Patienten oft keine Anbindung mehr an Sozialdienste der Kliniken, dann ist es für sie wichtig, zu wissen, dass sie auch während der Wiedereingliederung Unterstützung bei der SAKG finden. Sven Weise: „Wir sind der Schwerpunkt in der Nachsorge und bei der Bewältigung des Alltags sowie bei der Rückkehr ins Berufsleben“, sagt er und verweist auf die sehr individuelle Ansprache, die möglich sei. Hier können auch persönliche Hilfsangebote greifen. Sogar Gesprächsangebote an Kollegen von Krebsbetroffenen seien möglich, denn oft herrscht bei vielen Menschen im Umfeld der Patienten Sprachlosigkeit im Umgang mit dem Thema.

Säule 4: Angebote für die Familie

Während der gesamten Behandlung wird die Familie eingebunden, denn auch sie ist indirekt von der Erkrankung betroffen, die Belastungen durch Diagnose und Behandlung treffen sie ebenfalls hart. Sven Weise spricht deshalb auch von einer „systemischen Begleitung“, die zu allen Phasen individuelle Angebote enthält. Im Bereich der Familienarbeit sind das zum Beispiel Workshops für Paare zur gemeinsamen Krankheitsbewältigung, Gesprächsangebote für Angehörige oder auch Kunstprojekte. Darüber hinaus werden in den Beratungsstellen unter dem Titel „Familie im Blick“ in regelmäßigen Abständen Familientage angeboten, in deren Rahmen die gesamte Palette der Angebote für Familien vorgestellt wird. Mit diesem soliden Säulen-Gerüst ist die SAKG nun deutlich besser aufgestellt. Sven Weise und sein Team wollen damit auch ihrem erklärten Ziel einen weiteren Schritt näher kommen: Die umfassende Unterstützung von Krebspatienten und deren Angehörigen, um ihnen während ihres Kampfes gegen die Krankheit eine ganzheitliche Betreuung und Begleitung bieten zu können.

Die im Text erwähnten Abreißblöcke im handlichen Postkartenformat enthalten einen Vordruck mit der Empfehlung zur Psychosozialen Krebsberatung. Sie werden kostenlos zur Verfügung gestellt und können von interessierten Medizinern, Praxen, Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren bestellt werden.

Kontakt:
Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft e. V.
Paracelsusstraße 23, 06114 Halle (Saale)
Tel.: 0345 478 81 10 (Geschäftsstelle)
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Internet: https://krebsgesellschaft-sachsenanhalt.de

Grafik: @SAKG