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Sachsen-Anhalt 2026
Private Krisenvorsorge als Teil der ärztlichen Verantwortung

Vorbereitungen sind erforderlich

Fragen und Perspektiven

(Foto: Peter Gercke)

Im März haben wir die neue Kammerversammlung gewählt – und die konstituierende Sitzung fand bei tropischen Temperaturen am 27. Juni 2026 statt. Während der Sitzung wurde ich für die neue Legislatur als Chefredakteur des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt wiedergewählt. Das hat mich sehr gefreut und ist Ansporn, unser Ärzteblatt zu einer wissenschaftlich fundierten und auch kurzweiligen Lektüre immer weiterzuentwickeln. Besonders freue ich mich, dass sich zahlreiche Kammermitglieder für die Mitarbeit im Redaktionsbeirat bereit erklärt haben. Fragen im Rahmen unserer Selbstverwaltung können wir in Einmütigkeit und im konstruktiven Dialog lösen – eine Tugend der Ärztekammer.

Die politische Entwicklung und die Ergebnisse der Landtagswahl am 6. September 2026 sind im Gegensatz dazu beunruhigend. Wie mag es mit einer neuen Landesregierung weitergehen? Eine Ausgrenzung von unseren Mitmenschen dürfen wir nicht zulassen – wahrscheinlich wurde dieses Thema viel zu wenig im Wahlkampf diskutiert. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Programmen der Parteien hat vielfach nicht stattgefunden. Aber – es sind so viele Menschen in Sachsen-Anhalt zur Wahl gegangen wie noch nie. Das heißt – wir, das Volk, wollen entscheiden, wohin es geht. Aus dem Wahlergebnis spricht letztlich eine große Enttäuschung mit der herrschenden Situation. Dass auch welt- und bundespolitische Probleme zu der hitzigen Stimmung beitragen, ist offensichtlich – obwohl diese Fragen in der Landespolitik nicht gelöst werden können.

In ihrer ausgezeichneten Kolumne in der Reihe ‚Neue Heimatkunde‘ vom 8.09.2026 benennt die Autorin Sabine Rennefanz ein wesentliches Problem: „Die Herablassung, mit der die politische Mitte mit den »anderen« spricht, ist nicht die alleinige Ursache des AfD-Erfolgs – aber sie befördert ihn massiv. Das muss aufhören.“ Und sie führt zahlreiche Beispiele aus den letzten Tagen auf, wo zwar von einer Zäsur gesprochen wird, die das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt bedeute. Aber – kein Innehalten und kein Wille zum Umlernen präge die Debatten in Talk-Shows und Interviews. Die politische Mitte und die Wahlgewinner müssten sich ändern, so Sabine Rennefanz: „Wer Verachtung sät, kann schlecht Respekt für sich reklamieren. Dabei sind die beiden Seiten sich gar nicht so unähnlich, beide Seiten sind von Angst getrieben. … Je mehr über die Angst nur untereinander geredet wird, desto größer wird das Befremden. … Irgendwie müssen wir miteinander wieder zurechtkommen.“ Dass das in der Geschichte immer wieder gelungen ist, wurde deutlich am 1. September 2026 bei der Wiederbeisetzung der sterblichen Überreste von Kaiser Otto dem Großen im Dom (s. S. 22ff). Er lebte eine inklusive Regentschaft – daher war es für ihn selbstverständlich, dass Mauritius, ein Schwarzafrikaner, Patron des Doms wurde.

Ihr Hermann-Josef Rothkötter
Chefredakteur des Ärzteblattes Sachsen-Anhalt

Portraitaufnahme von Prof. Hermann-Josef Rothkötter

Prof. Hermann-Josef Rothkötter
(Foto: Pressestelle Medizinische Fakultät Magdeburg)