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Sicherheit erhalten, Ressourcen schonen

Einmalhandschuhe gezielt einsetzen

Einmalhandschuhe gezielt einsetzen
Abbildung: © KliMeG – Kampagne „Mit oder Ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen“, https://klimeg.de/mit-oder-ohne/
Macht, L. 1; Kantelhardt , E.2; Lüke, C. 3; Albrecht , M.4; Wendt , S.1; Walldorf , J.5

1 Stabsstelle Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Halle (Saale)
2 AG Global & Planetary Health, Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Universitätsmedizin Halle
3 Berufsausübungsgemeinschaft Genthin-Schönhausen, 39307 Genthin
4 Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG), Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e. V., Berlin
5 Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)

Die Suche nach konkreten Möglichkeiten, den Krankenhausalltag nachhaltiger zu gestalten und den CO2-Fußabdruck der Gesundheitsversorgung zu verringern, führt schnell zu dem hohen Verbrauch von zahlreichen täglich verwendeten Einmalprodukten. So sind medizinische Einmalhandschuhe für eine Vielzahl von Tätigkeiten in Klinik und Praxis unverzichtbar. Gleichzeitig werden sie auch in Situationen getragen, in denen sie keinen zusätzlichen Schutz bieten.

Der Verzicht auf routinemäßige Anwendungen ohne konkrete Indikation eröffnet daher ein relevantes Einsparpotenzial. Die Reduktion kann Kosten und Abfall verringern und zugleich den CO2-Fußabdruck der Gesundheitsversorgung verkleinern. Angesichts der großen Zahl täglich wiederkehrender Tätigkeiten, bei denen Handschuhe getragen werden, können bereits kleine Veränderungen der Routine den Gesamtverbrauch spürbar beeinflussen.

In einer Beobachtungsstudie aus der stationären Krankenversorgung wurden Handschuhe bei mehr als jeder dritten Anwendung ohne entsprechende Indikation getragen. Umgekehrt fehlten sie in 8 % der Situationen, in denen wegen einer möglichen Exposition gegenüber Körperflüssigkeiten eine Indikation bestand. Es geht deshalb nicht darum, möglichst wenige Handschuhe zu verwenden, sondern sie dort einzusetzen, wo sie für die jeweilige Tätigkeit tatsächlich erforderlich und sinnvoll sind. Das betrifft sowohl den ambulanten als auch den stationären Bereich.

Wo Handschuhe zusätzlichen Schutz bieten

Nicht sterile medizinische Einmalhandschuhe sind insbesondere angezeigt, wenn ein Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten, Schleimhäuten, nicht intakter Haut oder wahrscheinlich kontaminierten Materialien und Oberflächen zu erwarten ist. Beispiele sind Blutentnahmen, die Anlage von Gefäßzugängen, der Umgang mit Ausscheidungen und Erbrochenem sowie der Kontakt mit kontaminierten Instrumenten oder Medizinprodukten.

Auch bei Patientinnen und Patienten mit Erregern oder Dauerformen, die gegenüber alkoholbasierten Händedesinfektionsmitteln relativ unempfindlich sind, können Handschuhe erforderlich sein, beispielsweise bei Clostridioides difficile oder Wurm- und Parasiteneiern. Bei multiresistenten Erregern ist der konkrete Arbeitsablauf entscheidend: Ein Erregernachweis allein begründet kein generelles Handschuhtragen. Relevant ist insbesondere, ob mit einer hohen Kontamination der Hände zu rechnen ist, etwa bei stark sezernierenden Wunden, Inkontinenz oder umfangreicher Körperpflege.

Wo häufig auf Handschuhe verzichtet werden kann

Sofern kein Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten, Schleimhäuten oder nicht intakter Haut zu erwarten ist, besteht unter anderem bei folgenden Tätigkeiten keine generelle Handschuhindikation:

> Auskultation und körperliche Untersuchung bei intakter Haut,
> Blutdruck-, Puls- und Temperaturmessung,
> subkutane oder intramuskuläre Injektionen,
> Blutzuckermessung, sofern keine Blutentnahme mit einer Lanzette erfolgt,
> Lagerung und Transport von Patientinnen und Patienten,
> An- und Auskleiden sowie Körperpflege außerhalb des Anogenitalbereichs,
> Ausgabe und Anreichen von Speisen und Ge- tränken,
> Dokumentation und Telefonate.

Auch Manipulationen an Gefäßzugängen ohne Blutfluss sowie Verbandwechsel in Non-Touch-Technik können ohne generellen Handschuhgebrauch erfolgen. Die erforderliche hygienische Händedesinfektion bleibt davon unberührt. Entscheidend ist stets die konkrete Situation: Ist ein Kontakt mit Blut, Schleimhäuten oder nicht intakter Haut absehbar, ändert sich die Bewertung. Gerade bei häufig wiederkehrenden Tätigkeiten kann sich der Verzicht auf nicht erforderliche Handschuhe im Gesamtverbrauch deutlich auswirken. Zusätzlich werden Abfall und Hautbelastungen reduziert. Direkter Händekontakt kann von Patientinnen und Patienten zudem als persönlicher und empathischer wahrgenommen werden.

Händedesinfektion bleibt der hygienische Maßstab

Handschuhe und Händedesinfektion erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Tragen von medizinischen Einmalhandschuhen ersetzt die hygienische Händedesinfektion nicht. Es gelten weiterhin die bekannten Indikationen nach dem WHO-Modell:

1. vor Patientenkontakt,
2. vor aseptischen Tätigkeiten,
3. nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material,
4. nach Patientenkontakt,
5. nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung.

Vor aseptischen Tätigkeiten darf die Händedesinfektion insbesondere nicht durch das Tragen von Handschuhen ersetzt werden. Gerade diese Indikation wird vergleichsweise häufig ausgelassen, wenn unmittelbar vor der Tätigkeit Handschuhe angezogen werden. Zur indikationsgerechten Anwendung gehört daher die hygienische Händedesinfektion unmittelbar vor dem Anziehen der Handschuhe. Dabei müssen die Hände vollständig trocken sein. Nach dem Ausziehen und bei einem erforderlichen Handschuhwechsel wird erneut eine Händedesinfektion durchgeführt. Eine Händedesinfektion vor der Entnahme aus der Handschuhbox kann zudem verhindern, dass saubere Handschuhe oder weitere Handschuhe in der geöffneten Box durch nicht desinfizierte Hände kontaminiert werden.

Einsparpotenzial entsteht vor dem Anziehen

Ein geringerer Verbrauch darf nicht durch längere Tragezeiten oder ausgelassene Wechsel erreicht werden. Handschuhe werden nach Abschluss der jeweiligen Tätigkeit abgelegt und beim Übergang von unreinen zu reinen Arbeitsschritten gewechselt. Das gilt auch, wenn im Arbeitsablauf eine neue Indikation zur Händedesinfektion entsteht. Beschädigte, innen feuchte oder sichtbar kontaminierte Handschuhe werden verworfen.

Das Weitertragen über verschiedene Tätigkeiten hinweg ist hygienisch problematisch. In einer Krankenhausstudie wurden Handschuhe in 64 % der beobachteten Fälle ohne erforderlichen Wechsel weitergetragen. Daraus ergab sich bei 18 % aller Kontakte ein potenzielles Risiko für eine mikrobielle Übertragung. Auch die Barrierewirkung ist nicht absolut. In einer Untersuchung auf einer deutschen Intensivstation wiesen 10 % der geprüften Handschuhe während des Gebrauchs Perforationen auf. Nur ein kleiner Teil dieser Defekte wurde von den Tragenden bemerkt. Beim Ausziehen kann es ebenfalls zu einer Kontamination kommen. In einer Untersuchung aus vier Krankenhäusern wurde unmittelbar nach dem Ablegen gebrauchter Untersuchungshandschuhe in 58 % der beobachteten Situationen eine Kontamination der Haut festgestellt. Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung der Händedesinfektion nach dem Ausziehen der medizinischen Einmalhandschuhe.

Handschuhdesinfektion nur in begründeten Ausnahmefällen
In besonderen Situationen kann eine Desinfektion behandschuhter Hände anstelle eines Handschuhwechsels erwogen werden, beispielsweise bei mehreren unmittelbar aufeinanderfolgenden Tätigkeiten an derselben Patientin oder demselben Patienten, wenn ein Wechsel den notwendigen Arbeitsablauf erheblich beeinträchtigen würde. Dies setzt unter anderem voraus, dass die Handschuhe nicht sichtbar mit Blut, Sekreten oder Exkreten kontaminiert und nicht erkennbar beschädigt sind. Außerdem müssen Handschuhmaterial und Desinfektionsmittel miteinander kompatibel sein. Die entsprechenden Situationen sollten im Hygieneplan festgelegt und den Beschäftigten vermittelt sein. Die Handschuhdesinfektion bleibt damit eine begründete Ausnahme und kein allgemeines Instrument zur Verbrauchsreduktion.
Bewusst mit – bewusst ohne

Ein gezielter Einsatz verbindet Infektionsschutz, Ar- beitsschutz und Ressourcenschonung. Wo ein relevantes Expositionsrisiko besteht, bleiben Handschuhe unverzichtbar. Wo dieses Risiko fehlt, kann der bewusste Verzicht Verbrauch, Abfall und Hautbelastung reduzieren und damit ökologische und ökonomische Vorteile erzielen, ohne hygienische Standards abzusenken oder die Sicherheit von Patientinnen, Patienten und Beschäftigten zu beeinträchtigen.

Dieser Beitrag ist aus der Zusammenarbeit der AG Klima und Gesundheit der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (ÄKSA), der Stabsstelle Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Halle (Saale) und des Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG) hervorgegangen.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Jens Walldorf
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Korrespondenzadresse:

Leonie Macht
Stabsstelle Krankenhaushygiene
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Magdeburger Straße 24, 06112 Halle (Saale)
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Weiterführende Literatur:

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO). Kommentar zum indikationsgerechten Einsatz medizinischer Einmalhandschuhe im Gesundheitswesen. Epidemiologisches Bulletin. 2024;10:3–15.
Weitere Quellen

Kramer TS, Brodzinski A, Paul M, Drexler H, Scheithauer S, Geffers C. The Use of Single-Use Medical Gloves in Doctors’ Practices and Hospitals. Dtsch Arztebl Int. 2024;121:715–724. doi:10.3238/arztebl.m2024.0159.

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Bellini C, Eder M, Senn L, Sommerstein R, Vuichard-Gysin D, Schmiedel Y, Schlegel M, Harbarth S, Troillet N. Providing care to patients in contact isolation: is the systematic use of gloves still indicated? Swiss Med Wkly. 2022;152:w30110. doi:10.4414/smw.2022.w30110