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So war die 3. Baumpflanzaktion „Heilberufe helfen dem Harz“

Gemeinsam Wurzeln schlagen

Gemeinsam Wurzeln schlagen

Sitzung der Ärztekammer mit zahlreichen Teilnehmern an Tischen, Vortragendem am Podium und Präsentation im Konferenzraum.

Ein großes Dankeschön gilt allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern - ob groß, ob klein, ob alt und jung. Am zweiten Pflanztag von „Heilberufe helfen dem Harz“ kamen rund 90 Menschen zusammen.

Foto: ÄKSA

„Der Wald rauscht wie ein ferner Gedanke“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe im Winter 1777 auf seiner Harzreise. Am 9. und 10. Oktober 2026 trafen sich im Wernigeröder Stadtwald rund 150 Pflanzwillige der sachsen-anhaltischen Heilberufe bereits zum 3. Mal mit einem klaren Ziel: Damit dieses Rauschen für künftige Generationen kein ferner Gedanke bleibt, sondern wieder lebendige Realität wird. Auf exakt 3,6 Hektar Fläche wurde zwei Tage lang unermüdlich gegraben, gesetzt und festgetreten – unter kundiger Anleitung von Stadtförster Michael Selmikat und seinem dreiköpfigen Team.


Direkte Worte für unsere Zukunft

Der Auftakt am Freitag verlangte den rund 60 Helferinnen und Helfern gleich alles ab: Wind, Kälte und echter Harzer Schmuddelregen versuchten allerdings vergebens, die Laune zu trüben. Zur Eröffnung schlug Thomas Dörrer, Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (ÄKSA) und Hausarzt, gedanklich die Brücke zum Dichterfürsten: „Der Wald rauscht an vielen Stellen leider nicht mehr. Was wir hier sehen, ist das Resultat der Katastrophe der Jahre 2018 bis 2021 durch Trockenheit, Stürme und den Borkenkäfer. Aber wir stehen heute hier, um dem Harz sein Rauschen Stück für Stück zurückzugeben.“

Auch der zum Zeitpunkt der Pflanzaktion geschäftsführende Umweltminister und stellvertretende Ministerpräsident Prof. Armin Willingmann unterstrich bei seinem Besuch die weitsichtige Bedeutung der Aktion: „Wir als heute pflanzende Generation werden wohl selbst nicht mehr erleben, dass dieser Wald wieder in seiner alten Pracht rauscht. Aber dass wir genau heute handeln, zeigt unsere Verantwortung für die Zukunft – und das ist in diesen unruhigen Zeiten etwas zutiefst Tröstliches. Ich bin den organisierten Heilberufen außerordentlich dankbar, dass sie so konsequent für Natur und Mensch eintreten.“

Immo Kramer, Vize-Bürgermeister der Stadt Wernigerode, überbrachte die Grüße von Oberbürgermeister Tobias Kascha und verdeutlichte den enormen Tempo-Zuwachs durch das ehrenamtliche Engagement. Von ehemals knapp 1.000 Hektar Schadfläche seien heute noch etwa 200 Hektar offen. Seine Ermunterung: „Bringen Sie die Pflanzen heute bitte so tief und fest wie möglich in den Boden, damit sie den Regen optimal für den Anwuchs nutzen können!“


Prävention über Praxis und Klinik hinaus

Am Samstag belohnte das Wetter die diesmal 90 Personen starke Pflanzgruppe mit deutlich freundlicheren Bedingungen. Das Grußwort übernahm diesmal Dr. Henning Böhme, ÄKSA-Vorstand und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Harzklinikum Wernigerode. Er brachte auf den Punkt, was viele an diesem Tag antrieb: „Als Pädiater liegt mir die Zukunft der kommenden Generationen ganz besonders am Herzen. Unsere Aufgabe als Ärztinnen und Ärzte und der anderen Heilberufe endet nicht nach Dienstschluss. Gesundheit beginnt bei den Grundlagen unseres Lebens – bei sauberer Luft und einer intakten Umwelt. Indem wir hier heute Bäume pflanzen, betreiben wir die beste Vorsorge für die Kinder von heute und die Erwachsenen von morgen.“


Spitzhacken, Brombeer-Fallen und warme Verpflegung

Beim Pflanzen selbst war Praktiker-Geist gefragt: Viele hatten eigene Werkzeuge mitgebracht, wobei sich Spitzhacken auf dem oft steinigen Untergrund als Geheimwaffe erwiesen. Die 30 Leihgeräte des Forstteams waren am zweiten Tag im Nu vergriffen. Und der Einsatz im Gelände hatte es durchaus in sich. Vor allem die hartnäckigen Brombeerranken – „natürlicher Bissschutz vor den Waldbewohnern“ (O-Ton Stadtförster Selmikat) – stellten die eine oder andere heimtückische Stolperfalle dar. Kleinere Blessuren wurden mit Lachen und gesteigertem Pflanzeifer quittiert. Wer schuftet, muss sich aufwärmen: Dazu hatte das Forstteam ein knisterndes Holzfeuer entzündet, das gern in Anspruch genommen wurde. Heißer Kaffee und Tee, belegte Brötchen und leckerer Kuchen vom Catering brachten neue Energie.


Netzwerken auf Augenhöhe & die Wahl der Baumart

Nicht nur die Setzlinge schlugen Wurzeln, sondern auch der interkollegiale Austausch. Neben Praxis- und Apothekenteams sowie ganzen Familien, aktivierten Freunden, einer Schulklasse und sogar einer ganzen Tanzgruppe packten auch Vertretungen der Fachschaften der Medizinischen Fakultäten tatkräftig mit an. Für die Studierenden bot sich die willkommene Gelegenheit, sich abseits des Uni-Alltags ungezwungen mit Berufskolleginnen, -kollegen und der Kammerspitze auszutauschen.

Gepflanzt wurden dreijährige Containerpflanzen der Europäischen Lärche, gezogen in einer Baumschule in Sachsen. Stadtförster Selmikat erklärte die Wahl: „Wir sind hier auf einer ziemlich windexponierten Freifläche. Da die Lärchen eine tiefe Pfahlwurzel bilden, sind sie eine sehr gute Wahl – sie stehen stabil gegen Stürme. Zudem bleibt unter den Lärchen auch in zehn oder 30 Jahren noch genug Licht, sodass man später weitere Baumarten unterpflanzen und eine vielschichtige Waldstruktur erreichen kann.“

An die Lärchen und los! ÄKSA-Vorstand Dr. Henning Böhme (li.) und Stadtförster Michael Selmikat.

Mit Spaß bei der Sache: Dr. Carl Meißner.

Tatkräftige Unterstützung:
Die Medizinstudierenden waren eigens aus Magdeburg angereist. Tags zuvor, am Freitag, war auch die Fachschaft aus Halle vertreten.

Wind, Regen, Kälte? Egal! Zum Auftakt der 3. Baumpflanzaktion „Heilberufe helfen dem Harz“ waren etwa 60 Leute gekommen.

Hochkarätiges Pflanzteam: (v.l.) Thomas Dörrer, ÄKSA-Vizepräsident , Stadtförster Michael Selmikat, Dr. Matthias Richter, Vizepräsident der Zahnärztekammer, Dr. Stefan Braune, davor der amtierende Umweltminister Prof. Armin Willingmann, Franziska Stellter von der apoBank sowie Dr. Dorit Richter, Vize-Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen
Vereinigung.

Buntes Treiben im Wernigeröder Stadtforst: 3,6 ha wurden mit 5400 Lärchen bepflanzt.


Das Ergebnis: Fest verwurzelt, weil ordentlich gepflanzt!


Seit 2022 läuft die Aufforstung der ÄKSA, seit 2024 ziehen alle Heilberufe geschlossen an einem Strang. Die Bilanz allein aus diesem Jahr kann sich sehen lassen:
5.400 Europäische Lärchen (von 12.000 gelieferten Setzlingen) wurden fachgerecht in die Erde gebracht. Der Rest wird nach und nach bei weiteren Pflanzaktionen eingepflanzt.
Auf exakt 3,6 Hektar Fläche (das entspricht etwa fünf Fußballfeldern) wächst nun neue Hoffnung.
10.200 Euro Spenden konnten zusätzlich für das Harzer Grün überreicht werden.

Und der strenge „Zupftest“ der Forstprofis? Stadtförster Selmikat prüfte die frisch gesetzten Setzlinge persönlich und urteilte zufrieden: „Steht gut. Ja, steht wirklich gut! Und jede vorbereitete Pflanzreihe wurde belegt, da kann man mehr als zufrieden sein.“

Dass sich die Pflanzaktion der Heilberufe inzwischen herumgesprochen hat, zeigte der Blick auf die Anfahrtswege: Die Helferinnen und Helfer kamen längst nicht nur aus der unmittelbaren Harzregion, sondern nahmen teils weite Strecken aus Sangerhausen, Dessau, Stendal oder sogar aus Hannover auf sich, um bei dieser Initiative dabei zu sein. Entsprechend verabschiedeten sich viele von ihnen mit einem klaren Fazit und dem festen Versprechen: „Das war definitiv nicht unser letzter Einsatz – beim nächsten Mal packen wir wieder mit an!“

Ein abschließendes Dankeschön an alle engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreiter der Ärztekammer Sachsen-Anhalt (ÄKSA), der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA), der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt (ZÄK), der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KZV), der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt (AKSA), des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt (LAV), der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt (TÄK) und der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK).

Es zeigt sich doch einmal mehr: Wenn die Heilberufe gemeinsam anpacken, wird Goethes „ferner Gedanke“ wieder zu einem kräftigen, zukunftsträchtigen Rauschen im Harzer Wald.

K. Basaran

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