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Buchrezension

Das illustrierte Wörterbuch des Buches

Das illustrierte Wörterbuch des Buches

Hrsg. von Stephan Füssel
Favoritenpresse, Berlin 2026, gebunden mit Hardcover, reich illustriert, ISBN 978-3-96849-146-2, 17,8 x 20,3 x 4 cm, 348 Seiten, 28,00 €
Buchcover von Steffen Kopetzky „Die Harzreise – Eine Deutschlanderkundung"
Cover: Verlag; Abbildung: Yiwen Wang (Künstlerin)

Kann man heutzutage nicht jeden Begriff erschöpfend über eine Suchmaschine klären? Kann man sicher! Wozu also solch ein Sachwörterbuch?

Erwiesenermaßen bevorzugen Buchleser zu etwa zwei Dritteln noch das körpergefühlte Buch in der Hand. Das vorliegende Werk ist die 8. Auflage dieses Wörterbuches. In seiner Geschichte hat es sowohl bezüglich Herausgeber als auch verantwortlichen Verlages nötige Wandlungen erfahren, diese bisher letzte erstmalig illustriert. Für die Texte zu den Stichwörtern zeichnet der renommierte Gutenberg-Spezialist Stephan Füssel verantwortlich. Die grafische Ausstattung wird von einem Team von 24 Künstlern um den Comiczeichner, Illustrator und Grafiker Jacob Hinrichs realisiert. Und so geht die Reise dann los durch das Alphabet, von Abbildung über Backlist, Canvas, E-Book, Pagina, Sabon etc. bis Zwitterdrucke. Lediglich das Ypsilon trägt nichts Buchbegriffliches zu den Initialen bei. Die Texte der Begriffserklärungen sind in zweispaltigen Satzspiegeln geschrieben, die Begriffe selbst durch fette Schrift hervorgehoben. Verweise auf im gleichen Buch nachlesbare Begriffe, z. B. von Bouquiniste auf Antiquariat werden farblich abgesetzt.

Inhalt dieses Wörterbuches sind Spezifika aus dem Verlagswesen, dem Buchdruck, dem Buchhandel, der Historie u. v. a. m. Stellt sich die Frage: Muss ein Leser, eine Leserin das alles wissen, um ein Buch gewinnbringend konsumieren zu können? Es interessiert doch vordergründig nur der Inhalt der Seiten, die Aussage der Texte. Es gibt jedoch auch ausgesprochen bibliophile Leser, die an der Gestalt ihres „Lieblings“ Gefallen finden. Für sie und so manchen anderen Betrachter ist dieses Buch wohl auch gedacht. Und dann die charmanten Besonderheiten der Sprache der Buchwerktätigen, z. B. der Schriftsetzer mit der modernen Berufsbezeichnung Mediengestalter für Digital- und Printmedien. Da gibt es die Scharteke, den Zwiebelfisch, den Schusterjungen, die Jungfer, den Ramsch, das Idiotikon und nicht zu vergessen das Repetitorium, letzteres ehemaligen Studenten ein treuer Begleiter durchs Physikum.

Reiseführer (Titel des Bildes,
Abb. S. 250 im Buch)

Die in der 8. Auflage erstmaligen Illustrationen sind überwiegend Streubilder, in die Textspalten eingefügte aber auch ganzseitige Abbildungen. Sie dienen hier weniger der seriösen Inhaltserklärung als vielmehr der karikativen humorigen Auflockerung. Durch ihre einheitliche Farbgestaltung in smaragdgrün und schwarz vermitteln sie trotz ihrer verschiedenen Schöpfer eine gewisse Einheitlichkeit. Ihre Aussage muss man sich aber mitunter erst erarbeiten. Beeindruckend sind die ganzseitigen, expressiv abstrahierten Buchstaben des ABC der Stichwörter, in einer Auswahl auf dem Cover dargestellt.

Dieses im kompakten Format vorliegende Buch vermittelt die spezielle Freude am Lesen lexikalischer Reihen bei aller eigentlich vorgesehenen Verwendung der Einträge für die beteiligten Gewerke, Gewerbe und sonstigen Interessenten.

F.T.A. Erle, Magdeburg (Juli 2024)