Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Sehr geehrter Herr Sanitätsrat Dr. Groh,
es gibt in unserem Beruf Momente, da verneigt man sich gern vor einer Lebensleistung, die sich jeder Statistik entzieht. Wenn wir heute Dr. Hans-Jürgen Groh ehren, dann ehren wir das „Prinzip Hausarzt“ in seiner reinsten Form. Über 60 Jahre im Dienst! Das muss man sich mal vorstellen.
Lieber Dr. Groh, Sie wurden 1936 im thüringischen Altenburg geboren. Während Ihrer Zeit an der Grenze reifte der Entschluss, lieber Medizin als Kunst zu studieren. Sie studierten von 1957 bis 1963 zunächst in Leipzig und beendeten das Studium in Magdeburg. Das vorklinische Studium wurde damals noch nicht in Magdeburg angeboten. Die Approbation erhielten Sie 1963, die Prüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin legten Sie vier Jahre später ab. Promoviert wurden Sie 1968.
In Atzendorf nahmen Sie 1964 die Arbeit im dortigen Landambulatorium auf und wagten 1991 den Schritt in die eigene Niederlassung samt Neubau des Praxisgebäudes, da die Miete im Landambulatorium nicht mehr kalkulierbar war. Von 1991 bis zur Pensionierung im vergangenen Herbst führten Sie Ihre Praxis, das bedeutet 61 Jahre haben Sie die hausärztliche Versorgung in Atzendorf gewährleistet. Als die Sehleistung in der Dunkelheit nicht mehr ausreichte, um sicher nachts Auto zu fahren, baten Sie um Freistellung für den Notdienst der KV.
Was bedeutet es, mehr als 60 Jahre als Hausarzt gearbeitet zu haben? Das bedeutet, man hat nicht nur Patienten behandelt. Man hat Familiengeschichten miterlebt und bis zu 5 Generationen betreut.
Wir alle wissen: Für diese Aufgabe braucht es ein Team. Sie hatten und haben Ihre Frau an Ihrer Seite, die Ihnen den Rücken stärkt und freihielt. Seit 66 Jahren sind Sie verheiratet. Man erzählt sich, die Rollenverteilung in all den Jahrzehnten war klar definiert: Sie waren der „Doktor“, und Ihre Frau nennen Sie bewundernd „Ihren General“.
Lieber Herr Kollege Groh, wir Hausärzte wissen: Ohne so einen „General“, der einem den Rücken freihält, die Organisation stemmt und den privaten Rahmen schützt, wäre ein solches Arbeitspensum über sechs Jahrzehnte schlicht unmöglich gewesen.
Lieber Herr Dr. Groh, „Wer zu uns kommt, braucht uns“, nie haben sie einen Patienten der Hilfe brauchte abgelehnt. Ihrem Sohn sagten Sie einmal: „Ich habe noch nie jemanden rausgeschmissen“. Da haben Sie sicherlich nicht nur mir etwas voraus. Das habe ich nicht geschafft. Wenn Ihr Beispiel Schule macht und die Kollegen im Land weit über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten, dann hätten wir keine Unterversorgung zu befürchten.
Lieber Herr Sanitätsrat Dr. Groh, die Ärztekammer verleiht Ihnen heute das Ehrenzeichen. Wir ehren damit aber nicht nur den Arzt, vielmehr das gesamte Team Groh, das über 60 Jahre in Atzendorf die Versorgung gestemmt hat. Im Moment ist dort – wie an so vielen Orten im Land – eine Hausarztstelle frei. Sie hinterlassen eine große Lücke, Dr. Groh, das ganze Dorf und die Umgebung kam zum Abschied.
Herr Dr. Groh, haben Sie vielen Dank für Ihre geleistete Arbeit und für Ihr Engagement. Ihr Lebenswerk steht für Verlässlichkeit, Menschlichkeit und eine Haltung, die den Arztberuf ausmacht. Wenn wir von einem Beruf sprechen, der zur Berufung werden kann, ist Ihr Wirken genau das. Möge es nachfolgenden Generationen Ansporn und Vorbild sein. Herzlichen Glückwunsch, ich verneige mich in Demut!
Die Laudatio hielt Dr. Torsten Kudela,
Vorstandsmitglied der ÄKSA und Vorsitzender
des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt.
Foto: ÄKSA


