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Paradigmenwechsel an der Universitätsklinik Magdeburg

Myasthenia gravis 2026 (Originalarbeit)

Myasthenia gravis 2026 (Originalarbeit)

Foto: M.Schubert/Uniklinik Magdeburg

Al-Dubai, M.; Berisha, M.; Walther, D.; Mougiakakos, D.*; Schreiber, S.*

Universitätsklinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Universitätsklinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
* Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos und Prof. Dr. Stefanie Schreiber haben zu gleichen Teilen zu dieser Arbeit beigetragen (geteilte Letztautorenschaft).

Hintergrund

Die Myasthenia gravis (MG) gilt seit über einem Jahrhundert als Paradigma einer Antikörpervermittelten Autoimmunerkran­kung des Nervensystems. An ihrer pathophysiologischen Grund­an­nahme – einer fluktuierenden, belastungsabhängigen Muskelschwäche durch postsynaptische Antikörperwirkung an der neuromuskulären Endplatte – hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert (Gilhus et al. 2019). Die therapeutische Landschaft hingegen befindet sich in einer Phase tiefgreifenden Wandels: Komplementinhibitoren, Antagonisten des neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn), CD19-gerichtete monoklonale Antikörper und – als bislang spektakulärster Schritt – die anti-CD19 CAR-T-Zell-Therapie haben das Spektrum gezielter, krankheitsmodifizierender Optionen erstmals breit aufgefächert.

Charakteristisch für diese Entwicklung ist ihr interdisziplinärer Ursprung: Die zelluläre Therapie autoimmuner Erkrankungen ist eine direkte Übertragung aus der hämatoonkologischen CAR-T-Zell-Erfahrung. An der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) Magdeburg wurde diese Brücke 2023 erstmals weltweit für die Myasthenia gravis geschlagen – in enger Kooperation der neurologischen Hochschulambulanz mit der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie. Die nachfolgend vorgestellte retrospektive Kohortenstudie analysiert die Versorgungsrealität von 70 Patientinnen und Patienten der Magdeburger Hochschulambulanz im Zeitraum von Juni 2020 bis Januar 2026 und ordnet sie in den Kontext eines kontinuierlich aktiven, translationalen Therapieprogramms ein.

Marwa Al-Dubai | Foto: M.Schubert/Uniklinik Magdeburg

Zielstellung

Die vorliegende Arbeit verfolgt drei Ziele: erstens die systematische Beschreibung der klinischen, serologischen und therapeutischen Versorgungsrealität einer monozentrischen MG-Kohorte an einem universitären Referenzzentrum über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren; zweitens die Identifikation von Prädiktoren für den Einsatz einer Immuntherapie; drittens die Einordnung dieser Befunde in das sich wandelnde Therapiekonzept der tiefen B-Zell-Depletion mit dem Ziel einer krankheitsmodifizierenden, im Einzelfall therapiefreien Remission.

Kernbotschaft auf einen Blick

  • 70 Patientinnen und Patienten der Hochschulambulanz für Myasthenia gravis (MG) Magdeburg (Juni 2020 – Januar 2026): überwiegend Acetylcholinrezeptor(AChR)-Antikörper-positiv (84,3 %), Spätonset-Schwerpunkt (71,4 %), Lebenszeit-Krisenrate 35,7 %.
  • Therapieverfügbarkeit ist nicht gleich Krankheitskon-trolle: Trotz Immuntherapie bei 82,9 % der Kohorte überschreitet fast die Hälfte der gemessenen Patientinnen und Patienten klinisch relevante Symptomschwellen.
  • Mai 2023: Weltweit erste gegen CD19 gerichtete Therapie mit chimären Antigenrezeptor(CAR)-T-Zellen bei refraktärer MG – ermöglicht durch die strukturelle Kooperation der neurologischen Hochschulambulanz mit der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) Magdeburg.
  • Aktuell zwei laufende prospektive CAR-T-Studien bei MG mit kontinuierlicher Patientenrekrutierung; ergänzend EU-Zulassung von Inebilizumab (Februar 2026) als CD19-gerichtetem Antikörper — eine wertvolle Erweiterung des regulären Therapieportfolios, jedoch kein Paradigmenwechsel.
  • Tiefe B-Zell-Depletion mit konsekutivem Immune Reset markiert einen Paradigmenwechsel: weg vom lebenslangen symptomatischen Management, hin zu einem krankheitsmodifizierenden Therapieansatz mit dem Ziel einer anhaltenden, im Einzelfall therapiefreien Remission. Langlebige Plasmazellen entziehen sich dabei allen CD19- und CD20-gerichteten Verfahren; erreichbar ist dieses Kompartiment bislang allein über die Zielstruktur B-Zell-Reifungsantigen (BCMA).

Patientenkollektiv und Methodik

Eingeschlossen wurden 70 erwachsene Patientinnen und Patienten mit gesicherter Myasthenia gravis nach internationalen klinisch-serologischen und elektrophysiologischen Kriterien. Erfasst wurden demografische Daten, Antikörperprofil, Klassifikation nach der Myasthenia Gravis Foundation of America (MGFA) bei Erst- und Folgevorstellung, Krisenverläufe, Thymektomiestatus, dokumentierte Therapien, funktionelle Skalen (MG-Activities of Daily Living [MG-ADL], Quantitative Myasthenia Gravis [QMG], MG-Quality of Life 15-revised [MG-QOL15r]), psychiatrische Komorbidität sowie Arbeitsfähigkeit. Die deskriptive Auswertung der Kohortendaten erfolgte mit SAS Studio. Ergänzend wurde eine multivariate logistische Regression mit stratifizierter 5-facher Kreuzvalidierung in R 4.5.1 berechnet, um Prädiktoren für den Einsatz einer Immuntherapie zu identifizieren. Das Ethikvotum (33/26) lag vor Beginn der Datenerhebung vor.

Ergebnisse

Demografie und serologisches Profil

Das mittlere Alter der Kohorte betrug 60,9 ± 17,7 Jahre (Spanne 19 – 89 Jahre); 52,9 % der Patientinnen und Patienten waren männlich. 71,4 % wurden dem Spätonset-Typ (Erkrankungsalter ≥50 Jahre) zugeordnet, 28,6 % zeigten einen Frühonset. Diese Verteilung deckt sich mit der zunehmenden Verschiebung der MG hin zu höheren Lebensjahren, die in deutschen Versorgungs- und Registerstudien dokumentiert ist (Wartmann et al. 2023; Mevius et al. 2023).

84,3 % der Patientinnen und Patienten waren Acetylcholinrezeptor (AChR)-Antikörper-positiv, 14,3 % vollständig seronegativ, eine einzige Patientin (1,4 %) Low-Density-Lipoprotein-Rezeptor-related Protein 4 (LRP4)-positiv; muskelspezifische Rezeptor-Tyrosinkinase (MuSK)-Antikörper wurden in der Kohorte nicht nachgewiesen. Antikörper gegen das Sarkomerprotein Titin – ein etablierter Marker für schwerere Verläufe und Thymom-Assoziation – fanden sich bei 30,0 %. 71,4 % der Patientinnen und Patienten stammten aus Sachsen-Anhalt, 28,6 % aus neun weiteren Bundesländern – die Hochschulambulanz fungiert damit als überregionales Referenzzentrum mit einem Einzugsgebiet weit über Mitteldeutschland hinaus.

Abbildung 1: Serologisches Profil und Lebenszeit-Krisenstatus der Magdeburger MG-Kohorte (N = 70), Erhebungszeitraum Juni 2020 – Januar 2026. (Bildnachweis: eigene Darstellung auf Basis eigener Kohortendaten, Universitätsklinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Diagnostische Befunde, Therapielatenz und Krisenrate

Die repetitive Nervenstimulation zeigte bei 20,0 % der Patientinnen und Patienten einen pathologischen Dekrementbefund. Diese Rate liegt unter der für die generalisierte MG berichteten Sensitivität von 50 – 70 % und unterstreicht die diagnostische Priorität der Serologie sowie – bei seronegativen Verläufen – des Single-Fiber-EMG (Sensitivität >90 %). Praktische Konsequenz: Ein Normalbefund der repetitiven Nervenstimulation schließt eine Myasthenia gravis nicht aus. Bei 55 von 70 Patientinnen und Patienten war eine valide Berechnung der Latenz zwischen Diagnosestellung und Therapiebeginn möglich. 56,4 % begannen die Immuntherapie noch im Diagnosejahr, weitere 27,3 % im Folgejahr; insgesamt erhielten 83,6 % der auswertbaren Patientinnen und Patienten ihre Therapie innerhalb eines Jahres nach Diagnose. 35,7 % der Patientinnen und Patienten hatten in ihrer Krankheitsbiografie mindestens eine myasthene Krise erlebt.

Abbildung 2: Therapeutisches Spektrum der Magdeburger MG-Kohorte (N = 70) im Erhebungszeitraum Juni 2020 – Januar 2026. Inebilizumab ist im Erhebungszeitraum noch nicht erfasst (EU-Zulassung Februar 2026). (Bildnachweis: eigene Darstellung auf Basis eigener Kohortendaten, Universitätsklinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Therapie heute: Etablierte Säulen und neue Optionen

Symptomatische Therapie. Pyridostigminbromid (Mestinon®) blieb das Standardpräparat; die mittlere Tagesdosis lag bei 297 mg (Standardabweichung 175 mg, Maximum 900 mg). Bei MuSK-positiver MG ist die Wirksamkeit klassischerweise eingeschränkt – diese Subgruppe war in der Kohorte nicht repräsentiert.

Thymektomie. Bei 24 der 70 Patientinnen und Patienten (34,3 %) war eine Thymektomie durchgeführt worden.

Klassische Immunsuppression. Azathioprin (34,3 % der Kohorte) und Mycophenolat-Mofetil (15,7 %) bildeten das Rückgrat der krankheitsmodifizierenden Basistherapie und entsprechen den internationalen Konsensusrichtlinien (Narayanaswami et al. 2021).

Glukokortikoide – ein bemerkenswerter Befund. Bei 10 Patientinnen und Patienten (14,3 %) war eine früher initiierte Prednisolon-Therapie dokumentiert; in allen zehn Fällen musste sie aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen abgesetzt werden – dokumentiert waren hypertensive Entgleisungen, Blutzuckerentgleisungen und beginnende Osteoporose.

Moderne zielgerichtete Therapien. Insgesamt 22,9 % der Kohorte erhielten eine moderne, zielgerichtete Immuntherapie: Efgartigimod (FcRn-Antagonist; 8,6 %), Komplementinhibitoren wie Eculizumab (Soliris®, Alexion Pharmaceuticals – AstraZeneca Rare Disease, Boston, MA, USA) oder Ravulizumab (Ultomiris®, Alexion Pharmaceuticals – AstraZeneca Rare Disease, Boston, MA, USA; zusammen 8,6 %), Rituximab (MabThera®, Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen, Deutschland; 4,3 %) sowie eine Patientin (1,4 %) unter der Kombination aus anti-CD19 CAR-T-Zellen und Komplementinhibitor. Diese Substanzen haben das Behandlungsspektrum bei generalisierter, AChR-positiver MG in den vergangenen Jahren wesentlich erweitert (Howard et al. 2017; Howard et al. 2021).

Inebilizumab – neue zugelassene CD19-gerichtete B-Zell-Therapie. Die Europäische Kommission hat Inebilizumab (Uplizna®, Amgen Inc., Thousand Oaks, CA, USA) am 12. Februar 2026 als Add-on-Therapie für erwachsene Patientinnen und Patienten mit generalisierter MG zugelassen, die AChR- oder MuSK-Antikörper-positiv sind – knapp zwei Monate nach der Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) am 11. Dezember 2025. Grundlage ist die Phase-3-Studie MINT (Nowak et al., NEJM 2025), in der Inebilizumab bei 238 Patientinnen und Patienten signifikante Verbesserungen sowohl im MG-ADL- als auch im QMG-Score erzielte.

Sicherheit und Patientenauswahl

Mit der Tiefe der Wirkung steigen auch die Anforderungen an Patientenauswahl und Sicherheitsmonitoring. Die CD19-gerichteten Therapien unterscheiden sich hier deutlich, sowohl untereinander als auch gegenüber etablierten Immunsuppressiva.

CAR-T-Zell-Therapie. Die zelluläre Behandlung erfordert eine lymphodepletierende Konditionierung und kann ein Cytokine-Release-Syndrom (CRS) sowie eine Immuneffektor-Zell-assoziierte Neurotoxizität (ICANS) auslösen. Beide Komplikationen treten typischerweise innerhalb der ersten zwei Wochen auf und sind unter intensivmedizinischer Überwachung gut beherrschbar, setzen aber zwingend eine Klinik mit zelltherapeutischer Erfahrung voraus. Prolongierte Zytopenien und ein erhöhtes Infektionsrisiko sind weitere relevante Aspekte. Die Therapie ist daher derzeit reserviert für Patientinnen und Patienten mit hoher Krankheitsaktivität, Therapierefraktärität gegenüber zwei oder mehr Immuntherapien einschließlich moderner zielgerichteter Substanzen und ohne entscheidende Komorbiditäten. In Magdeburg erfolgt die Indikationsprüfung im interdisziplinären Studienboard.

Inebilizumab. Der monoklonale Antikörper hat ein deutlich günstigeres Akut-Sicherheitsprofil als die zelluläre Therapie und ist ambulant infundierbar. Häufigste unerwünschte Wirkungen sind Kopfschmerzen und Infusionsreaktionen; langfristig relevant ist eine IgG-Reduktion mit potenziell erhöhtem Infektionsrisiko. Quartalsweises IgG-Monitoring und Optimierung des Impfstatus vor Therapiebeginn sind Standard. Inebilizumab eignet sich als reguläre Therapieoption für AChR- oder MuSK-positive Patientinnen und Patienten mit aktiver, generalisierter MG – insbesondere bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit klassischer Immunsuppressiva sowie in Konstellationen, in denen eine Steroidreduktion vorrangig angestrebt wird.

Funktionelle Skalen: Persistierende Krankheitslast trotz Therapie

Verwertbare Messungen lagen für MG-ADL bei 53/70, für QMG bei 52/70 und für MG-QOL15r bei 53/70 Patientinnen und Patienten vor. Klinisch relevante Schwellenwerte (Dresser et al. 2021; Burns et al. 2016) wurden überschritten bei MG-ADL ≥6 in 47,2 %, bei QMG ≥11 in 53,8 % und bei MG-QOL15r ≥15 in 45,3 % der Gemessenen. Fast die Hälfte der gemessenen Patientinnen und Patienten zeigte damit – trotz laufender Immuntherapie – eine klinisch bedeutsame Symptomlast und eingeschränkte Lebensqualität. Bei einer Fehlrate von 24 – 26 % ist ein Selektionseffekt nicht auszuschließen; die Überschreitungsraten sind daher als Größenordnung, nicht als präzise Prävalenzschätzung in der Gesamtkohorte zu lesen. Sie begründen engmaschige Verlaufskontrollen, gegebenenfalls Therapieeskalation und – bei refraktären Verläufen – die frühzeitige interdisziplinäre Diskussion innovativer Optionen.

Logistische Regression: Antikörperstatus als zentraler Therapieprädiktor

In der multivariaten Regressionsanalyse zur Vorhersage des Einsatzes einer Immuntherapie war Antikörperpositivität mit Abstand der stärkste Prädiktor (OR 18,71; 95 % KI 2,64 – 132,53; p = 0,003). Die breite Spannweite des Konfidenzintervalls reflektiert die begrenzte Stichprobengröße und die kleine seronegative Subgruppe; die Punktschätzung ist daher als deutliches Signal, nicht als präzise Effektgröße zu interpretieren. Alter und Geschlecht erreichten keine statistische Signifikanz. Die Fläche unter der ROC-Kurve (AUC) von 0,84 in der Kreuzvalidierung spricht für eine akzeptable Diskriminierungsleistung des Modells. Klinisch übersetzt: Die Entscheidung zur Immuntherapie folgt in der Magdeburger Versorgungsrealität primär der serologischen Aktivität – im Einklang mit den internationalen Leitlinien.

Abbildung 3: Persistierende Krankheitslast trotz laufender Immuntherapie: Anteil der Patientinnen und Patienten ober- und unterhalb der klinisch relevanten Schwellenwerte für MG-ADL, QMG und MG-QOL15r. (Bildnachweis: eigene Darstellung auf Basis eigener Kohortendaten, Universitätsklinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Diskussion

Diagnose-Therapie-Latenz. Die kurze Latenz zwischen Diagnosestellung und Therapiebeginn steht im Einklang mit den internationalen Konsensusempfehlungen (Narayanaswami et al. 2021).

Steroidverträglichkeit. Auch wenn die kleine absolute Fallzahl eine generalisierte Aussage nicht zulässt, illustriert der Befund, dass die Prednisolon-Therapie bei allen zehn betroffenen Patientinnen und Patienten abgebrochen werden musste, die bekannte Problematik der Langzeit-Steroidtherapie bei häufig älteren und multimorbiden MG-Patientinnen und -Patienten und stützt den frühzeitigen Umstieg auf steroidsparende Alternativen.

Thymektomie. Mit 34,3 % war ein gutes Drittel der Kohorte thymektomiert. Für die nicht-thymomatöse, AChR-Antikörper-positive generalisierte MG ist die Thymektomie die einzige etablierte krankheitsmodifizierende Maßnahme mit randomisierter Evidenz: Die MGTX-Studie zeigte über drei Jahre einen niedrigeren QMG-Score und einen geringeren Prednisolonbedarf gegenüber alleiniger Immunsuppression (Wolfe et al. 2016). In der Versorgungsrealität eines Referenzzentrums mit Spätonset-Schwerpunkt – 71,4 % der Kohorte – ist die Indikation jedoch häufig durch Alter und Komorbidität begrenzt, da die randomisierte Evidenz auf Patientinnen und Patienten bis 65 Jahre beschränkt ist.

Inebilizumab im Therapieportfolio. Der humanisierte, afucosylierte monoklonale Antikörper depletiert CD19-positive B-Zellen einschließlich Plasmablasten; das Dosierungsschema ist patientenfreundlich: zwei Initialinfusionen im Abstand von zwei Wochen, anschließend halbjährliche Erhaltungsinfusionen. An der Magdeburger Hochschulambulanz wird Inebilizumab seit der EU-Zulassung in das Therapieportfolio integriert. Eine nüchterne Einordnung ist gleichwohl geboten: Der in MINT gezeigte Effekt liegt im indirekten Vergleich in einer ähnlichen Größenordnung wie bei den bereits verfügbaren FcRn- und Komplement-gerichteten Substanzen; die im Studienprotokoll vorgesehene Steroidreduktion auf ≤5 mg/Tag bis Woche 26 gelang im Placebo-Arm nahezu ebenso häufig wie unter Verum (84,6 % gegenüber 87,4 %), und die Wirkung ist an eine dauerhafte halbjährliche Erhaltungstherapie gebunden. Eine therapiefreie Remission ist unter Inebilizumab bislang nicht beschrieben, und das Kompartiment der langlebigen Plasmazellen bleibt unberührt. Inebilizumab ist damit eine wertvolle, gut steuerbare und ambulant umsetzbare Ergänzung der Zweitlinientherapie – nicht der Wendepunkt, als der die Zulassung mitunter rezipiert wird.

Krisenrate im Referenzzentrum. Die beobachtete Lebenszeit-Krisenrate von 35,7 % liegt deutlich oberhalb der populationsbasierten Lebenszeitprävalenz von 15 – 20 % (Wendell & Levine 2011). Diese Rate reflektiert nicht primär eine regionale Krankheitsbesonderheit, sondern den Charakter eines universitären Referenzzentrums mit überproportionaler Konzentration schwerer und therapierefraktärer Verläufe. Methodisch einschränkend kommt hinzu, dass die retrospektive Auswertung – insbesondere extern ausgestellter Arztbriefe – in einzelnen Fällen keine eindeutige Differenzierung zwischen schwerer Exazerbation und myasthener Krise im engeren Sinne erlaubte; die berichtete Rate ist daher tendenziell als Maximum zu verstehen.

Tiefe B-Zell-Depletion und Immune Reset – Mechanismus und Konzept der therapiefreien Remission

Der konzeptionelle Durchbruch der neuen MG-Therapien liegt nicht allein in ihrer Wirksamkeit, sondern in ihrem fundamental anderen Wirkprinzip. Während konventionelle Immunsuppressiva die Lymphozytenfunktion breit und reversibel unterdrücken – mit lebenslangem Therapiebedarf und kumulativer Toxizität –, zielen anti-CD19 CAR-T-Zellen und der monoklonale Antikörper Inebilizumab auf eine tiefe, gezielte Depletion CD19-positiver B-Zellen einschließlich autoreaktiver Gedächtnis-B-Zellen und Plasmablasten ab, die als Hauptquelle pathogener Autoantikörperproduktion gelten – wenn auch mit deutlich unterschiedlicher Reichweite, Persistenz und Evidenzlage.

Tiefe der Depletion – CD20, CD19 und BCMA. Die mechanistische Reichweite ist hierbei entscheidend (Abbildung 4A, S. 19). Anti-CD20-gerichtete Therapien wie Rituximab erfassen ausschließlich reife B-Zellen und Gedächtnis-B-Zellen; Plasmablasten und kurzlebige Plasmazellen, die einen Großteil der zirkulierenden Autoantikörper produzieren, exprimieren CD20 nicht mehr und werden geschont. CD19-gerichtete Therapien – CAR-T-Zellen ebenso wie Inebilizumab – greifen in einem deutlich breiteren Entwicklungsfenster ein und depletieren auch antikörperproduzierende Plasmablasten. Diese tiefere Depletion ist die mechanistische Grundlage für die in MINT beobachtete Wirksamkeit von Inebilizumab; ein direkter „Head-to-Head“-Vergleich gegenüber CD20-basierten Strategien bei MG steht aus, die heterogene Datenlage zu Rituximab unterstreicht jedoch die Bedeutung des Therapieziels CD19+-Plasmablast. Eine wichtige Limitation beider CD19-gerichteter Strategien betrifft langlebige Plasmazellen im Knochenmark, die CD19 herunterregulieren und damit weder durch Inebilizumab noch durch CAR-T-Zellen direkt depletiert werden; diese Population trägt zur Aufrechterhaltung pathogener Autoantikörperspiegel bei und erklärt, warum klinische Effekte verzögert eintreten und Antikörpertiter nicht zwingend vollständig normalisieren.

BCMA – Zugang zur Escape-Zone der langlebigen Plasmazellen. Genau an dieser Escape-Zone setzt die Zielstruktur BCMA (B-Zell-Reifungsantigen, TNFRSF17) an. BCMA wird nicht auf der Mehrzahl der B-Zellen exprimiert, sondern überwiegend auf Plasmablasten, Plasmazellen und plasmazytoiden dendritischen Zellen, und ist für das Überleben langlebiger Plasmazellen in der Knochenmarknische essenziell. BCMA ist damit die einzige klinisch geprüfte Struktur, über die das CD19-negative Plasmazellkompartiment überhaupt erreichbar ist. Zwei zeitgleich publizierte Arbeiten in Nature Medicine haben dieses Prinzip erstmals placebokontrolliert bei generalisierter MG geprüft: In der randomisierten, doppelblinden Phase-2b-Studie MG-001 (Teil 3) erreichten unter der BCMA-gerichteten mRNA-CAR-T-Zell-Therapie Descartes-08 66,7 % der Behandelten gegenüber 27,3 % unter Placebo nach drei Monaten eine Verbesserung des MG-Composite-Scores um mindestens 5 Punkte (p = 0,047). Der Effekt hielt über zwölf Monate ohne weitere Infusionen an, bei einer Reduktion der medianen Steroid-Erhaltungsdosis um 55 %; die Behandlung erfolgte ambulant und ohne lymphodepletierende Konditionierung (Vu et al. 2026).

Selektives Ausdünnen statt globaler Depletion. Die begleitende Biomarker-Analyse präzisiert den Wirkmechanismus: Nachweisbar waren eine selektive Reduktion BCMA-hoch-exprimierender Plasmablasten und aktivierter plasmazytoider dendritischer Zellen, ein deutlicher Umbau des autoreaktiven Antikörperrepertoires sowie ein Abfall krankheitsassoziierter Zytokine, insbesondere von Interleukin-6 – und dies ohne Depletion des breiten B-Zell-Kompartiments, ohne Hypogammaglobulinämie und ohne Verlust von Impftitern; die Anti-AChR-Titer änderten sich nicht signifikant (Fedak et al. 2026). Das BCMA-Targeting erreicht das Plasmazellkompartiment somit nicht als globale Auslöschung, sondern als selektives Ausdünnen der pathogen aktivierten Fraktion – konzeptionell ein Immune Reset ohne breite Immunsuppression. Ob damit die Persistenz pathogener Autoantikörper langfristig durchbrochen wird, ist die entscheidende offene Frage; die geringe Fallzahl (n = 26 in der Wirksamkeitspopulation), der Ausschluss MuSK-Antikörper-positiver Patientinnen und Patienten und die rein deskriptive Auswertung der sekundären Endpunkte begrenzen die Aussagekraft. Eine konfirmatorische Phase-3-Studie bei AChR-Antikörper-positiver MG (AURORA) rekrutiert derzeit.

Immune Reset und Drug-free Remission. Nach der tiefen Depletion erfolgt die Repopulation des B-Zell-Kompartiments aus Knochenmarkvorläufern. Entscheidend ist, dass das neu entstehende B-Zell-Repertoire überwiegend naiv ist und das immunologische Gedächtnis der ursprünglichen autoimmunen Reaktion nicht reproduziert. Dieses Phänomen – als Immune Reset bezeichnet (Abbildung 4B, S. 19) – ist beim systemischen Lupus erythematodes nach CAR-T-Zell-Therapie über Jahre belegt: Patientinnen und Patienten erreichten eine therapiefreie Remission ohne Reaktivierung der Autoimmunität (Mackensen et al. 2022). Auch bei der 2023 in Magdeburg erstmals behandelten Patientin mit refraktärer MG (siehe Abschnitt „Interdisziplinäre Synergie“) wurde nach einmaliger CAR-T-Behandlung eine anhaltende, immuntherapie-freie Remission dokumentiert – ein klinischer Zustand, der mit konventioneller Immunsuppression bislang nicht erreichbar war.

Paradigmenwechsel: vom Krankheitsmanagement zur therapiefreien Remission. Die tiefe Depletion ist damit kein weiterer Eskalationsschritt im konventionellen Algorithmus, sondern eine konzeptionell andere Intervention mit dem Anspruch einer immunologischen Neujustierung: vom symptomatischen Krankheitsmanagement hin zu einem krankheitsmodifizierenden Therapieansatz mit dem Ziel anhaltender, im Einzelfall therapiefreier Remission (Abbildung 4C). Inebilizumab realisiert dieses Prinzip nur partiell und antikörperbasiert: Die Depletion ist reversibel und lässt die langlebigen Plasmazellen unberührt – ein Immune Reset im engeren Sinne ist damit nicht zu erwarten. Die zellulären Verfahren bieten demgegenüber das Potenzial einer einmaligen, anhaltenden Reset-Wirkung; BCMA-gerichtete Ansätze adressieren darüber hinaus das Plasmazellkompartiment. Welche Patientinnen und Patienten welche Strategie benötigen, ist Gegenstand der laufenden interdisziplinären Studien an der OvGU Magdeburg.

Implikationen über die Myasthenia gravis hinaus. Die mechanistische Logik der tiefen B-Zell-Depletion ist nicht spezifisch für die MG. Sie gilt prinzipiell für alle (Antikörper-vermittelten) Autoimmunerkrankungen, in denen pathogene B-Zell-Klone den Verlauf bestimmen – darunter die autoimmune Enzephalitis, die Multiple Sklerose, das Stiff-Person-Syndrom und Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen. Das in Magdeburg etablierte Kooperationsmodell zwischen Neurologie und Hämatologie ist auf diese Indikationen perspektivisch übertragbar und positioniert das Zentrum als regionalen Knotenpunkt einer neuen Generation neuroimmunologischer Therapien.

Abbildung 4: Mechanistische Grundlage einer neuen Therapie-Ära bei Myasthenia gravis.  
(A) B-Zell-Entwicklung mit Reichweite CD20-, CD19- und BCMA-gerichteter Therapien: CD19-Targeting erfasst auch antikörperproduzierende Plasmablasten und ermöglicht damit eine tiefere Depletion; langlebige Plasmazellen im Knochenmark bilden die Escape-Zone CD19-gerichteter Strategien und sind allein über BCMA erreichbar. (B) Tiefe Depletion und Repopulation aus naivem Knochenmarkrepertoire (schematischer Zeitverlauf): Konzept des Immune Reset mit anhaltend niedrigen Autoantikörpertitern und Möglichkeit einer Drug-free Remission. (C) Vergleich der vier B-Zell- und Plasmazell-gerichteten Strategien (Rituximab, Inebilizumab, anti-CD19 CAR-T, BCMA-gerichtete mRNA-CAR-T) hinsichtlich Reichweite, Persistenz und Depletionstiefe. (Bildnachweis: eigene Darstellung, Universitätsklinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)
Tabelle 1: Vergleich der zugelassenen und etablierten Therapieklassen bei generalisierter Myasthenia gravis – geordnet nach mechanistischer Tiefe der Wirkung. Zelluläre Verfahren siehe Tabelle 2. (Quelle: eigene Zusammenstellung)
Die Tabelle umfasst fünf aktuell verfügbare Therapieklassen, geordnet von links (symptomatische Wirkung) nach rechts (tiefe B-Zell-Depletion). Zelluläre Verfahren sind wegen ihres grundsätzlich anderen Anwendungs- und Evidenzniveaus getrennt in Tabelle 2 dargestellt und mit den antikörperbasierten Klassen nicht unmittelbar vergleichbar. Abkürzungen: Aza = Azathioprin; MMF = Mycophenolat-Mofetil; FcRn = neonataler Fc-Rezeptor; gMG = generalisierte Myasthenia gravis.
Tabelle 2: Zelluläre, gegen B- und Plasmazellen gerichtete Verfahren bei generalisierter Myasthenia gravis – derzeit ausschließlich im Studienkontext.  (Quelle: eigene Zusammenstellung)
Beide Verfahren sind nicht zugelassen und werden ausschließlich im Rahmen von Studien eingesetzt; ein direkter Vergleich mit den in Tabelle 1 aufgeführten antikörperbasierten Therapieklassen ist wegen unterschiedlicher Patientenkollektive, Behandlungshorizonte und Evidenzniveaus nicht zulässig. Abkürzungen: CRS = Cytokine-Release-Syndrom; ICANS = Immuneffektor-Zell-assoziierte Neurotoxizität; BCMA = B-Zell-Reifungsantigen.

Tabelle 1 (S. 20) fasst die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der zugelassenen und etablierten Therapieklassen zusammen, Tabelle 2 (S. 20) die zellulären, derzeit ausschließlich im Studienkontext eingesetzten Verfahren; beide dienen als Orientierung für die interdisziplinäre Therapieplanung. Die Auswahl der geeigneten Strategie erfolgt individualisiert anhand von Krankheitsaktivität, Antikörperstatus, Vortherapien, Komorbiditäten und Patientenpräferenz – idealerweise gemeinsam mit einem spezialisierten MG-Zentrum.

Interdisziplinäre Synergie: Neurologie meets Hämatologie

Die Übertragung der originär hämatoonkologischen CAR-T-Zell-Therapie auf Antikörper-vermittelte Autoimmunerkrankungen begann 2022 mit der Erstanwendung beim systemischen Lupus erythematodes (Mackensen et al. 2022) – ohne die enge Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Hämatologie wäre sie nicht möglich.

In Magdeburg wird diese translationale Verbindung durch die Klinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie unter Leitung von Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos institutionell getragen.
Die Klinik betreibt ein etabliertes CAR-T-Zell-Programm mit der gesamten apparativen, regulatorischen und immunologischen Infrastruktur – von der Apherese über die lymphodepletierende Konditionierung bis zum intensivmedizinischen Management potenzieller Akutkomplikationen wie Cytokine-Release-Syndrom (CRS) und Immuneffektor-Zell-assoziierter Neurotoxizität (ICANS). Die neurologische Hochschulambulanz steuert Indikationsstellung, immunologisch-klinische Charakterisierung und Verlaufsbeurteilung mittels validierter MG-Skalen bei. Beide Kliniken treffen sich monatlich in einem interdisziplinären Studienboard, in dem jede CAR-T-Indikation einer differenzierten Nutzen-Risiko-Abwägung unterzogen wird.

Im Mai 2023 wurde an der OvGU Magdeburg im Rahmen dieser Kooperation weltweit erstmals eine Patientin mit langjährig therapierefraktärer, AChR-positiver MG der MGFA-Klasse V mit autologen anti-CD19 CAR-T-Zellen behandelt; die Fallpublikation erschien im November 2023 in The Lancet Neurology (Haghikia et al. 2023). Klinisch dokumentiert war eine eindrucksvolle Remission: Der QMG-Score sank von 15 auf 2 Punkte, die Patientin gewann ihre Gehfähigkeit zurück, die Abhängigkeit von intravenösen Immunglobulinen entfiel.

Tabelle 2: Zelluläre, gegen B- und Plasmazellen gerichtete Verfahren bei generalisierter Myasthenia gravis – derzeit ausschließlich im Studienkontext.  (Quelle: eigene Zusammenstellung)
Abbildung 5: Strukturelle Kooperation zwischen Neurologie und Hämatologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – etabliertes interdisziplinäres Versorgungs- und Forschungsmodell für die CAR-T-Zell-Therapie bei Myasthenia gravis. (Bildnachweis: eigene Darstellung, Universitätsklinik für Neurologie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Aktuelle Studienlandschaft – die Tür für Innovation bleibt offen

Die zelluläre Therapieentwicklung an der OvGU Magdeburg ist mit dem Indexfall von 2023 nicht abgeschlossen, sondern hat sich zu einem strukturierten Forschungsprogramm verstetigt. Aktuell laufen in Kooperation mit der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie zwei prospektive CAR-T-Zell-Studien bei MG, darunter die internationale Phase-2-Studie KYSA-6 mit dem CAR-T-Konstrukt KYV-101 (Haghikia et al., Neurology 2025), an der Magdeburg als rekrutierendes Zentrum teilnimmt. Patientinnen und Patienten mit refraktären Verläufen werden regelhaft evaluiert und bei Erfüllung der Einschlusskriterien fortlaufend eingeschlossen. Das gemeinsame Studienboard sichert eine zeitnahe Indikationsstellung und engmaschiges Monitoring.

Damit bleibt der Standort offen für die nächste Generation zellulärer und antikörperbasierter Therapien.

Was bedeutet das für die regionale Versorgung?

Aus den vorliegenden Befunden lassen sich für niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sowie für nicht-spezialisierte Krankenhäuser drei praktische Konsequenzen ableiten:

  1. Krisenbewusstsein im Praxisalltag. Die generalisierte MG kann jederzeit in eine bedrohliche Krise übergehen. Frühzeichen sind progrediente bulbäre Symptomatik (Dysphagie, Dysarthrie), Dyspnoe in Ruhe und rasche Verschlechterung der Extremitätenkraft; sie müssen umgehend zur Vorstellung und gegebenenfalls zur Verlegung an ein spezialisiertes Zentrum führen.
  2. Steroidtherapie kritisch evaluieren. Bei älteren und multimorbiden Patientinnen und Patienten sollten steroidsparende Strategien frühzeitig etabliert werden.
  3. Die Hochschulambulanz als regionale Anlaufstelle für innovative Therapien. Die Magdeburger Myasthenia-gravis- und Autoimmun-Enzephalitis-Ambulanz – in struktureller Kooperation mit der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie – betreut aktuell zwei laufende CAR-T-Studien bei MG mit kontinuierlicher Patientenrekrutierung und steht für Zuweisungen aus Sachsen-Anhalt und überregional zur Verfügung.


Fazit
Die Magdeburger MG-Kohorte zeichnet das Bild einer überwiegend AChR-positiven, klinisch heterogenen Patientengruppe mit relevanter Krankheitsaktivität trotz hoher Therapiedichte – ein Befund, der die Grenzen der konventionellen Immunsuppression bei einem nennenswerten Anteil der Betroffenen verdeutlicht.

An dieser Schnittstelle setzt die translationale Innovation an, die in Magdeburg seit 2023 vorangetrieben wird: Der seit Februar 2026 zugelassene CD19-gerichtete Antikörper Inebilizumab erweitert dabei das reguläre Therapieportfolio, bleibt aber eine dauerhafte Erhaltungstherapie ohne Aussicht auf eine therapiefreie Remission.

Den eigentlichen Paradigmenwechsel markieren die zellulären Ansätze – die anti-CD19 CAR-T-Zell-Therapie und, mit Zugang zum bislang therapeutisch unerreichten Kompartiment der langlebigen Plasmazellen, BCMA-gerichtete Verfahren – vom lebenslangen symptomatischen Krankheitsmanagement zu einem krankheitsmodifizierenden Therapieansatz mit dem Ziel anhaltender, im Einzelfall therapiefreier Remission.

Die dafür notwendige Infrastruktur entsteht nicht in einer einzelnen Disziplin: Aus der strukturellen Kooperation zwischen neurologischer Hochschulambulanz und der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie ist ein dauerhaftes Forschungs- und Versorgungsprogramm entstanden. Für Sachsen-Anhalt bedeutet das ein regionales Zentrum, dessen Tür für die nächste Generation immunmodulatorischer und zellulärer Therapien geöffnet ist.

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Korrespondenzanschrift:

Marwa Al-Dubai
Funktionsoberärztin und Leiterin der
Myasthenia-gravis- und Autoimmun-Enzephalitis-Ambulanz
Universitätsklinik für Neurologie
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg
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