Skip to main content

in memoriam

Nachruf für Prof. Dr. Rolf-Hans Brandt

Nachruf für Prof. Dr. Rolf-Hans Brandt

Prof. Dr. Rolf-Hans Brandt

Am 4. Januar 2024 verstarb Herr Prof. Dr. Rolf-Hans Brandt sieben Wochen vor seinem 92. Geburtstag.

Rolf-H. Brandt wurde als Sohn eines Lehrers in Salzwedel geboren. Nach dem Abitur 1952 studierte er Humanmedizin an der Humboldt Universität Berlin und war einer der ersten Studenten an der Medizinischen Akademie Magdeburg. Er legte 1957 sein Staatsexamen ab und promovierte 1958. Unter Prof. Dr. Wilhelm Küstner vollendete er 1963 in Magdeburg seine Facharztausbildung. Ab 1964 arbeitete er als Oberarzt in der HNO-Klinik der MAM.

Neben der Entwicklung und Einführung der Beatmungsendoskopie inaugurierte er zu diesem frühen Zeitpunkt die Stent-Therapie von Oesophagus- und Trachealstenosen mit selbst gefertigten „Endoprothesen“ aus weichbleibenden Thermoplasten. Seine Habilitationsschrift „Endokavitäre Kontaktbestrahlung des Kehlkopfkrebses mit Iridium-192 in Narkose und Hyperoxie, ein neues Behandlungsverfahren unter Anwendung der Beatmungslaryngoskopie“ konnte er 1970 unter dem Direktorat von Prof. Dr. F.-W. Oeken erfolgreich verteidigen.

In der gleichen Zeit beschäftigte er sich mit seiner Arbeitsgruppe mit der elektrostatischen Aufladung von Aerosolen. Alle diese innovativen Gedanken wurden unter den damaligen schwierigen Bedingungen mit Improvisationstalent und Beharrlichkeit in die klinische Praxis eingeführt. Besonderes Augenmerk legte er auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. So wurden mit dem Friedrich-Löffler-Institut der Insel Riems 1974 – 1981 die virale Pathogenese der Larynx-Papillomatose aufgedeckt und ein Impfstoff hergestellt und auch erprobt.

Im Januar 1976 wurde R.-H. Brandt zum Chefarzt der HNO-Klinik im Bezirkskrankenhaus Dresden-Friedrichstadt berufen, wo er die Arbeitsgruppe Endoskopie der Gesellschaft für Oto-Rhino-Laryngologie und zervikofaziale Chirurgie der DDR gründete. Der Ruf auf den 2. Lehrstuhl für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an die Medizinische Akademie Erfurt mit der Ernennung zum ordentlichen Professor erfolgte im Jahre 1980.

Seine Monographie „Endoskopie der Luft- und Speisewege“ erschien 1985 im Johann Ambrosius Barth Verlag Leipzig und später im Springer Verlag Berlin Heidelberg New York. Zum zweibändigen Lehrbuch „Otorhinolaryngologie,“ herausgegeben von Prof. F. Moser, Leipzig 1971 und 1986, steuerte er fünf Kapitel bei. Seine über 120 Publikationen und vierzehn Patentschriften zeugen von seiner kreativen Entwicklungsarbeit in unserem Fachgebiet, die studentische Lehre bereicherte er mit fünf zum Teil preisgekrönten Lehrfilmen.

Schon 1987 trat Invalidität ein und beendete seine klinische Tätigkeit. Sein Engagement für die HNO-Heilkunde und seine Patienten hat er trotzdem bis in die Zwanziger Jahre beibehalten. Ein wesentlicher Quell seiner Energie und Kraft waren seine wundervolle Ehefrau und seine drei Töchter mit ihren Familien.

Mit seinem Namen ist in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde für immer die Beatmungslaryngoskopie verbunden. Zusammen mit Dr. Fabian aus Dresden kreierte er zu Beginn der 60er Jahre aus dem Friedelschen Bronchoskop diese neue Endoskopiemethode der oberen Luft- und Speisewege, bevor sich später die Mikrolaryngoskopie nach Kleinsasser entwickelte.

Das „Magdeburger Beatmungslaryngoskop“ ist auch heute noch eine bewährte Hilfe bei diffizilen Atemproblemen und schwierigen Intubationen.

Seine Kollegen und Schüler werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren! Unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau mit der ganzen Familie, denen wir Trost zusprechen möchten.

Univ.-Prof. em. Dr. Bernd Freigang

Foto: privat