Ein Arzt mit Herz und Verstand – nun ruhen die Hände, die so viel Gutes getan haben.
Ein arbeitsreicher Lebenszyklus hat sich zu früh geschlossen. Unser sehr geschätzter Kollege und Freund Ingolf Hinkel ist viel zu zeitig verstorben. Er hatte noch so viel vor mit seiner Familie und seiner Berufung als Arzt. Von einem schweren Schicksalsschlag mit dem unerwarteten Ableben seines Sohnes und seiner eigenen Erkrankung hat sich Ingolf nicht mehr erholt und ist Ende März 2026 eingeschlafen. Unser Mitgefühl gehört seiner Frau Marion, seinen Kindern und Enkeln.
Ingolf wurde in Chemnitz geboren und wuchs im Vogtland auf. Nach dem Schulabschluss studierte er in Dresden und Berlin Humanmedizin. Über mehrere Ausbildungsstationen hinweg hat er den Facharzt für Orthopädie erlangt und sich der konservativen Behandlung verschrieben. „Ich wollte nie einen anderen Beruf ergreifen“ war seine Maxime. So hat er auch gewirkt und Spuren hinterlassen. Es folgten die Fachärzte für Orthopädie/Unfallchirurgie, für physikalische und rehabilitative Medizin, Rheumatologie und Zusatzbezeichnungen wie Sozialmedizin, Chirotherapie, Badearzt, Naturheilverfahren, Notarzt.
Von Eisenberg aus ging er 1993 nach Bad Kösen. Zunächst war er leitender Oberarzt, ab 1995 leitete er als Chefarzt die Saale-Reha-Klinik I bis zu seiner Berentung.
Bekannt und rege besucht waren die jährlichen Fortbildungsveranstaltungen der beiden Reha-Kliniken in Bad Kösen, wo er gemeinsam mit Dr. Peter Tautz namhafte Referenten gewinnen konnte.
In Bad Kösen siedelte er seinen weiteren Lebensmittelpunkt an, gründete eine neue Familie, heiratete 1999 seine Marion, wurde noch einmal Vater einer Tochter und engagierte sich u. a. in der evangelischen Lutherkirchengemeinde. Ein Highlight war sein jährlicher Auftritt beim Umzug des Brunnenfestes als Dr. Christoph Wilhelm Hufeland. In seiner rar gesäten Freizeit wanderte Ingolf sehr gern, sammelte Mineralien, beschäftigte sich mit Sagen und Medizinhistorie.
Über 20 Jahre war Ingolf als Chefarzt in Bad Kösen tätig. Er hat viele ärztliche Kollegen angeleitet und ausgebildet, hat ihnen die konservative Orthopädie, die Rehabilitation und Sozialmedizin und ergänzende Behandlungsalternativen wie physikalische Therapie und Naturheilverfahren vermittelt.
Nebenher engagierte er sich in den Berufsverbänden, der Rheumaliga, war Referent für Naturheilverfahren. Die Liste kann endlos fortgesetzt werden.
Für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt war er ein zuverlässiger Ansprechpartner und wirkte über mehrere Jahrzehnte in verschiedenen Prüfungsausschüssen der Facharztausbildung und Zusatzbezeichnungen, zuletzt in den Anerkennungsprüfungen für ausländische Ärzte.
Nach seiner Berentung arbeitete er weiter als Referent für Fortbildungen und als kinderorthopädischer Konsiliarius einer Reha-Klinik im Vogtland. Als in Bad Sulza plötzlich der Chefarzt verstarb, übernahm Ingolf erneut eine Leitungsfunktion und widmete sich noch einmal seiner Leidenschaft und Berufung, der Rehabilitation. Damit hat er zuletzt auch in Bad Sulza seine Spuren hinterlassen.
Neben seiner fachlichen Expertise bleibt uns ehemaligen Weggefährten vor allem aber seine zugewandte, menschliche und immer wertschätzende Art in Erinnerung, die uns auf unseren gemeinsamen Lebens- und Arbeitswegen unterstützend begleitet hat. Er hat viele ärztliche Kollegen in ihrer beruflichen Tätigkeit und eine ganze Region geprägt wie kaum ein anderer.
Dr. med. Sven Holtschke
Chefarzt
rehaFlex Saline Rehabilitationsklinik GbR
Mansfelder Straße 52
06108 Halle


