Petra Grimm-Benne: Im Januar 2025 konnte das Gesundheitskabinett ein umfassendes Maßnahmenpaket mit 100 Punkten beschließen, um dem Mangel an Ärztinnen und Ärzten entgegenzuwirken. Das gelingt nicht allein, sondern nur im Schulterschluss mit Vertretern der Ärzte- und Zahnärzteschaft, der Krankenkassen, der Krankenhäuser und der beiden Universitätskliniken sowie der kommunalen Spitzenverbände. Für diese Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar. Mit einer Kombination aus Nachwuchsförderung, attraktiven Arbeitsbedingungen und langfristiger regionaler Bindung wollen wir mehr Medizinerinnen und Mediziner für unser Land begeistern. Neben den bereits bestehenden Landarzt- und Amtsarztquoten sorgten wir ganz konkret für die Einführung einer Landzahnarztquote. Während die Ärzteschaft und das Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt immer eng zusammenstanden, hätte ich mir diesen Geist der Kooperation auch vom Bund gewünscht. Die Art und Weise, wie wenig der Bund bei der Krankenhausreform die Interessen der Länder berücksichtigt, sehe ich kritisch. Angesichts der GKV-Reform sage ich: Krankenhäuser und Ärzteschaft brauchen nicht noch mehr Verunsicherung, sondern Stabilität und Planungssicherheit.
Petra Grimm-Benne: Bei der elektronischen Patientenakte hätten wir uns eine reibungsfreiere Einführung gewünscht.
Petra Grimm-Benne: Von Anfang an war klar: Wir sind abhängig von den Bundesreformen. Das Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt hat im April 2025 und damit als eines der ersten Länder mit der kooperativen Planung mit den Krankenhäusern begonnen. Aktuell prüft der Medizinische Dienst (MD) die Strukturvoraussetzungen der Leistungsgruppen an den Krankenhäusern. Nach Vorlage der Prüfergebnisse werden diese mit dem von der Planungsbehörde ermittelten Versorgungsbedarf abgeglichen und, je nach Resultat, verschiedene Planungsszenarien analysiert. Im Ergebnis entsteht so der Entwurf für einen neuen Krankenhausplan, dem der Krankenhausplanungsausschuss zustimmen muss. Das Verfahren mündet in der Zuweisung von Leistungsgruppen an die Krankenhausstandorte. Damit all das funktioniert, haben wir in der Junisitzung das Krankenhausgesetz im Landtag verabschiedet. Ziel bleibt eine flächendeckende, qualitativ hochwertige und zugleich wirtschaftlich tragfähige Krankenhausversorgung in Sachsen-Anhalt.
Petra Grimm-Benne: Sachsen-Anhalt braucht bis zum Jahr 2035 fast 5.000 (Fach-)Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte. Dieser Herausforderung stellen wir uns. Die Menschen müssen auch in dünn besiedelten Gebieten gut versorgt sein. Gleichzeitig sollen Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten und sich, im Sinne einer gestuften Versorgung, weiter spezialisieren. An diesem Spagat arbeiten wir in enger Abstimmung mit den betreffenden Einrichtungen.
Petra Grimm-Benne: Die Landarztquote ist ein großer Erfolg. Über diesen Weg konnten wir bereits mehr als 130 zukünftige Landärztinnen und Landärzte für die ländlichen Regionen in Sachsen-Anhalt verpflichten. Die Corona-Zeit bedeutete großen Entscheidungsdruck, der im Interesse des Gesundheitsschutzes für viele Menschen enorme Freiheitseinschränkungen bedeutete. Das Sperren von Kinderspielplätzen ist mit dem Wissen von heute ein Fehler gewesen.
Petra Grimm-Benne: Die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt ist mit einem Durchschnittsalter von über 48 Jahren die älteste in Deutschland. Der Anteil der über 65-Jährigen ist zwischen 2000 und 2024 von 18 auf 28 Prozent gestiegen. Im Jahr 2050 könnte jeder dritte Einwohner 65 Jahre und älter sein. Auf diese Realität müssen wir uns in der Präventionsarbeit, Gesundheitsversorgung und im pflegerischen Bereich einstellen.
Wir müssen telemedizinische Angebote ausbauen, die Kolleginnen und Kollegen von Bürokratie entlasten und dafür sorgen, dass sich die Ärzteschaft mit voller Kraft auf die schweren Krankheitsfälle konzentrieren kann. Anders als einige Bundespolitiker erachte ich die telefonische Krankschreibung als ein sinnvolles Instrument, um überfüllte Praxen zu verhindern, Ansteckungen zu vermeiden und das Gesundheitssystem zu entlasten.
Und noch ein weiteres Thema liegt mir sehr am Herzen: Nach Angaben der Ärztekammer und der KVSA beträgt der hiesige Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte unter den berufstätigen Ärztinnen und Ärzten 18,55 Prozent. Ohne internationale Ärztinnen und Ärzte wäre die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt nicht aufrechtzuerhalten. Unser Land muss weltoffen bleiben, sonst machen ausländische Fachkräfte einen großen Bogen um Sachsen-Anhalt. Ein Land, das sich abschottet, verliert die Menschen, auf die es angewiesen ist.
Interview: ÄKSA/KVSA


Die Ministerin ist ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen der Ärzteschaft: Links mit ÄKSA-Präsident Prof. Uwe Ebmeyer und den beiden Dekaninnen der medizinischen Fakultäten Prof. Daniela Dieterich (Uni Magdeburg) und Prof. Heike Kielstein (Uni Halle-Wittenberg). Rechts hört sie neben ÄKSA-Vize Thomas Dörrer einer Rede zu.| Fotos: Peter Gercke
Die Ministerin ist ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen der Ärzteschaft: oberes Foto mit ÄKSA-Präsident Prof. Uwe Ebmeyer und den beiden Dekaninnen der medizinischen Fakultäten Prof. Daniela Dieterich (Uni Magdeburg) und Prof. Heike Kielstein (Uni Halle-Wittenberg). Unteres Foto hört sie neben ÄKSA-Vize Thomas Dörrer einer Rede zu.| Fotos: Peter Gercke


