Kommentar

zum Leserbrief von Herrn Stefan Lodders zum Thema „HPV – Die Karriere einer Impfung“ im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 11/2018, S. 34

Zunächst teile ich die Auffassung des Autors vorliegenden Leserbriefes, dass Fachzeitschriften wie das Ärzteblatt Sachsen-Anhalt gut recherchierte und substanzielle persönliche Meinungsäußerungen ihren geneigtem Fachpublikum nicht vorenthalten sollten. Im vorliegenden Leserbrief allerdings werden unsauber dargestellte und aus dem Zusammenhang gerissene Fakten und eine wenig seriöse Quellenlage zu einem RKI/STIKO/Cochrane Collaboration/Hersteller-Bashing unsachlich verknüpft und können nicht unerwidert bleiben:
Humane Papillomaviren sind die am häufigsten durch Haut- und Schleimhautkontakte übertragenen Viren, die neben einer Vielzahl von gutartigen weltweit ca. 5 % aller bösartigen Erkrankungen auslösen. Einer RKI-Analyse auf Basis von Krebsregisterdaten zufolge traten 2013 in Deutschland 10.372 HPV-assoziierte Krebserkrankungen bei Frauen, davon 70,9 % (4.422) Zervixkarzinome und 1.358 bei Männern, davon 46,9 % (636) oropharyngeale Karzinome auf. Die Letalität des Zervixkarzinoms in Deutschland lag der S3-Leitlinie zufolge 2010 bei 32,7 %; in Deutschland versterben im Durchschnitt vier Frauen täglich an den Folgen des zu nahezu 100 % HPV-attributablen Zervixkarzinoms. Aktuell ist deutschlandweit jährlich von ca. 14.400 HPV-attributablen Krebserkrankungen, einer Vielzahl von Krebsvorstufen und ca. 140.000 Fällen von Condylomata acuminata auszugehen. Nahezu alle Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit mindestens einem HPV-Serotyp; gleichzeitige und zeitversetzte Mehrfachinfektionen sind möglich. Ein Großteil der HPV-Infektionen bei Immunsuffizienten ist nach Monaten bis wenigen Jahren nicht mehr nachweisbar. In ca. 10 % der Fälle persistiert die Infektion und kann zu präkanzerogenen Läsionen führen, die sich wiederum in Zervix-, Vulva-, Vaginal-, Anal- und Peniskarzinome bzw. Karzinome im Oropharyngealbereich weiterentwickeln können.

Weiterlesen ...

Leserbrief

zur Stellungnahme von Dr. Gerhard Hoh im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 11/2018, S. 33 zum Leserbrief von Prof. Dr. Frank P. Meyer im Ärzteblatt Sachsen-Anhalt 10/2018, S. 44

Ob es die Senkung des LDL-Cholesterines ist, die eine Ereignisreduktion begründet, ist nicht so sicher, wie Kollege Hoh es darstellt.

Letztlich ist es die Einnahme eines Statines, für die eine Ereignisreduktion als belegt gelten kann. Die Verwendung der relativen Risikoreduktion („20%ige Reduktion“) ohne Angabe von absoluten Risiken ist wertlos und weniger informativ als manipulativ. Die Senkung eines geringen Risikos um 20 % dürfte weniger relevant sein als die gleiche Senkung bei einem hohen Risiko.

Die Daten der (zwischenzeitlich in Frage gestellten – Deloughery/Prasad 2018) IMPROVE-IT-Studie zur Kombination Simvastatin und Ezetrol zeigen zwar eine deutlich stärkere Senkung des LDL-C unter der Kombination gegenüber Simvastatin allein. Allerdings bleiben Koronar-, Herz-Kreislauf- und auch Gesamtsterblichkeit von dieser Senkung unbeeinflusst. Lediglich nicht tödliche Infarkte, zu denen in der Studie auch Enzymanstiege nach Intervention gezählt werden, werden signifikant vermindert. Und dies in einer Größenordnung, in der 63 Patienten 6 Jahre zusätzlich mit Ezetrol behandelt werden müssen, um bei einem Patienten einen nicht-tödlichen Infarkt zu verhindern. Das heißt auch, dass 62 Patienten das Medikament sechs Jahre ohne Effekt einnehmen.

Die geschilderte Orientierung auf Laborwerte befremdet. Das Erreichen eines LDL-Zielwertes ist kein patientenrelevanter Endpunkt.

Dr. med. Ilja Karl
Facharzt für Allgemeinmedizin
Arendsee

Medizin, Ethik & Recht im Film

Filmreihe eMERgency in cinema

Seit dem Wintersemester 2016/2017 veranstaltet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, der meris e. V. sowie das Interdisziplinäre Wissenschaftliche Zentrum Medizin-Ethik-Recht in Kooperation mit dem Luchs.Kino am Zoo die Filmreihe „eMERgency in cinema – Medizin, Ethik & Recht im Film“.

Weiterlesen ...

Gemeinsam auf dem Weg zu einer individualisierten Patientenversorgung

Krankenkassen und Universitätsmedizin Magdeburg im konstruktiven Dialog

Univ.-Prof. Dr. Martin Schostak beim Vortrag
Univ.-Prof. Dr. Martin Schostak beim Vortrag

„Ich habe ein schönes Leben und werde wohl besser mal vorsorgen“, dachte sich Herr B. S., damals 63 Jahre, und ging zu einer Checkup-Untersuchung zu seinem Hausarzt. Leider war der Prostata-Laborwert PSA nicht in Ordnung. Die nächsten Jahre waren deshalb gekennzeichnet durch invasive Untersuchungen, nämlich wiederholte Probeentnahmen aus der Prostata. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen. In der 4. Serie der Probeentnahmen, die in einer auswärtigen Klinik stattfand, wurde nun „endlich“ ein kleiner, wenig gefährlicher Krebs gefunden. Die Mediziner empfahlen eine radikale Operation der Prostata.

Weiterlesen ...